Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 7. Grenzen der Erziehung. 35
wird aus aufser ihr liegenden Gründen, als vielmehr wegen ihrer
erhabenen Schönheit, ihrer Lieblichkeit, ihres stillen, wunderbaren,
geheimnisvollen und beruhigenden Zaubers.
Diese Entwickelungskette reifst ab mit dem Einbruch der
mittelalterlichen Barbarei. Die ersten Glieder einer entsprechenden
neuen bilden sich erst wieder zur Zeit der Renaissance. Die
Poesie des Mittelalters bietet wohl vereinzelte Naturschilderungen,
aber als blofse Arabeske, selbst im Minnelied und im Volkslied.
In der italienischen Poesie, am Ausgange des Mittelalters, bei
Petrarca, taucht erstmals das ästhetische Naturgefühl wieder auf;
später macht es sich in der Schäferpoesie deutlicher bemerklich,
tritt in Brockes', Hallers, Thompsons Dichtungen hervor, kulminiert
in Frankreich zum ersten Mal bei Rousseau, zum zweiten Mal bei
Victor Hugo, in England bei Byron und Shelley, in Deutschland
bei Goethe und den Romantikern. Vergleichen wir nun auch
noch die moderne Entwickelung des Sinnes für das Naturschöne,
wie sie in der Poesie der Neuzeit sich kundgiebt, mit derjenigen
der alten Welt, wie sie in der antiken Dichtung uns überliefert
ist, so finden wir nicht etwa eine blofse Parallele; sondern wir
kommen bei solchem Vergleich zu dem Schlüsse, dafs das ästhetische
Naturgefühl der Alten gegenüber dem der Neuen sich verhält
wie die Knospe zu der vollentfalteten, „üppig duftenden, ja
manche mit ihrem Dufte berauschenden" Blume. — Dasselbe
Resultat ergiebt sich natürlich, wenn wir die alte mit der neuen
Landschaftsmalerei vergleichen, infolge der Fortschritte der Technik
auf diesem Gebiete sogar in noch weit schlagenderer Weise. Auch
die Landschaftsmalerei beginnt am Ausgange des Mittelalters, in
der Spät-Renaissance, aber zunächst nur andeutungsweise; die
Landschaft wird als blofse Staffage, als Hintergrund benutzt, so
bei Botticelli im 15., bei Giorgione, Tizian, Tintoretto im 16. Jahr-
hundert. Erst im 17. Jahrhundert tritt die eigentliche Land-
schaftsmalerei auf; ich erinnere an Poussin, an Claude Gellee,
genannt Lorrain und an die holländischen Maler jener Zeit. —
Endlich gedenke man des Umstandes, dafs die Reiselust, deren
Ziele schöne Gegenden sind, sich ebenfalls erst so recht eigentlich
in der neueren Zeit bemerklich macht; ich weise hin auf Thümmels
Reisen in die mittäglichen Provinzen Frankreichs, auf Goethes
Rhein-, Schweizer- und italienische Reisen, ganz zu schweigen
von der natur-ästhetischen Reiselust der Neuzeit, wofür wir die
Beispiele nicht blofs in der Litteratur zu suchen brauchen, sondern
im Leben direkt vor uns haben.
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