Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 55. Gefahren der Erwerhsthiltigkeit der Kinder. 519
forschte, sich ebenfalls eine Beziehung zwischen Laster und Er-
werbsthätigkeit ergeben. In Berlin fand man unter ihnen z. B.
ein Mädchen von 11 Jahren, 4 Mädchen von 12, 4 von 13, 19
im Alter von 14 und 17 im Alter von 15 Jahren. Ferner ist
zweifellos die Verwendung von Kindern bei Schaustellungen, z. B.
im Zirkus und bei Balletten, nichts weniger als sittlich förderlich
für dieselben. Natürlich fällt die Schädigung hierbei sehr ver-
schieden stark aus; ist es doch ein gröfser Unterschied, ob ein
Kind in einem rauchigen Nachtlokal unter den rohen Späfsen und
Bemerkungen des Publikums, womöglich durch reichliche Gaben
von alkoholischen Getränken belohnt, seine Kunststücke produziert
oder nur ab und zu auf einer Schaubühne zu kleineren Leistungen
herangezogen wird. Aber auch im letzteren Falle ist eine Schädi-
gung vorhanden; das betreffende Milieu ist ja für gewöhnlich
so von Wollust und Unsittlichkeit durchtränkt, dafs das Kind
nicht unberührt bleiben kann. Aus Charlottenburg wird
nach Fechner berichtet, dafs am meisten wegen Lügens bestraft
werden müssen die Zeitungsausträgerinnen und Kegeljungen, die
Bierabzieher und bei Kaufleuten Beschäftigten; 20 Kinder wur-
den gerichtlich bestraft. Bei den erwerbsthätigen Kindern in
Gera wurde nach Agahd geklagt über „Mangel an Ordnungshebe,
Freundlichkeit und anständigem Betragen". Bei einzelnen Be-
schäftigten zeigte sich „Neigung zum Vagabundieren, Geld-
verthun und Stehlen." Zwei der beschäftigten Knaben mufsten
ins Rettungshaus nach Hohenleuben gebracht werden, darunter
ein Kegelaufsteller. Von den in Pommern in der Landwirtschaft
beschäftigten Kindern sind nach dem Berichte von 58 Re-
ferenten 66 »/o, nämlich 2310 Kinder, sittlichen Gefahren ausgesetzt.
Das ist nach dem, was Agahd erzählt, kein Wunder; es heifst
bei ihm, indem er aus an ihn gerichteten Briefen einzelne Stellen
mitteilt: „Die Kinder sind Zeugen unsittlicher Handlungen, un-
flätiger Reden, Fluchens u. s. w. — Sie glauben nicht, wie die
Erwachsenen vor den Kindern die geschlechtlichen Vorgänge mit
Wollust besprechen. Man vergiftet die Kinderseele geradezu." Ganz
Ahnliches kann man auch bezüglich der in der Industrie be-
schäftigten Kinder sagen. Vielfach machen sich freilich die mora-
lischen Schädigungen, welche die Kinder erleiden, nicht sofort
bemerkhch, aber das Gift wirkt nach, und später kann man die
Wirkungen seines Einflusses nur zu deutlich spüren.
Mit ziemlicher Bestimmtheit lassen sich die intellektuellen
Nachteile, welche die Kinder-Erwerbsarbeit im Gefolge hat.