Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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518 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserziehung.
von dem Geschäftsinhaber pro Tag 0,20 Mark erhalten, und dabei
müssen sie dem Geschäfte in der ganzen schulfreien Zeit zur Ver-
fügung stehen! Die „geübten und fleifsigen' Kinder unter den
Bilderbogen-Ausmalern erhalten pro Stunde 0,05 Mark, die „jüngeren
und ungeübteren" noch weniger.
Wenden wir uns zur Betrachtung der moralischen Schädi-
gungen, welchen die erwerbsthätigen Kinder ausgesetzt sind, so
kommen wir damit zu einem der düstersten Kapital in der Sozial-
geschichte unserer Zeit. So wird z. B. aus dem Gefängnis für
jugendliche Verbrecher in Plötzensee bei Berlin Folgendes mit-
geteilt. Von den 100 daselbst untergebrachten Knaben waren 70
während der Schulzeit, von ihnen 20 seit dem siebenten bis
neunten Lebensjahre, als Frühstücksträger, Zeitungsträger, Roll-
jungen, Laufburschen und Kegeljungen beschäftigt worden und
zwar morgens von 4^/2 Uhr, in einigen Fällen noch früher, bis
zur Schulzeit und nachmittags entweder voll oder von 4 bis 7^/2
oder 8^/2 Uhr abends. Daraus läfst sich doch entschieden auf
einen demoralisierenden Einflufs der Beschäftigung schliefsen. Wie
könnte denn auch das Herumlaufen auf den Strafsen und der
Aufenthalt in Lokalen aller Art etwas Gutes für die Kinder im
Gefolge haben! Man denke doch nur, was sie da, namentlich in
der Grolsstadt, zu sehen und zu hören bekommen! Wer das in
den Stralsen Berlins oder irgendeiner anderen gröfseren Stadt zur
Schau gestellte Laster kennt, der kann keinen Augenblick lang
darüber in Zweifel sein, dafs die Jugend, welche damit täglich
in Berührung kommt, vergiftet werden mufs. Gehört es doch
gar nicht zu den Seltenheiten, dafs Knaben am frühen Morgen
von Dirnen verschleppt werden, woraus sich auch der unwider-
sprochen gebliebene Zeitungsbericht erklärt, dafs Bäckermeister
gelegentlich einer amtlichen Enquête vor einigen Jahren be-
kundeten, dafs sie Lehrlinge wegen der damit verbundenen sitt-
lichen Gefahren nicht zum Frühstücksaustragen verwenden könnten.
Darum benutzen sie zu diesem Geschäft in ihrer Menschenfreund-
lichkeit fremde Kinder, die nicht ihrer Aufsicht unterstellt sind,
und für welche sie keine Verantwortung haben! Und eine
solche Schamlosigkeit wagte der Obermeister der Berliner Bäcker-
innung, Bernard, ein hochkonservativer Herr, noch in Schutz
zu nehmen und als rührende Rücksichtnahme auf die Eltern, die
den Verdienst der Kinder brauchen, in einem Berliner Wahlkreise,
wo er für den Reichstag kandidierte, hinzustellen. Bei den jugend-
lichen Prostituierten würde sicherlich, wenn man genau nach-