Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 55. Gefahren der Erwerhsthiltigkeit der Kinder. 515
seltener bei den Knaben (248 erwerbsthätig) fanden. Wenn wir
erfahren, dals in Pritzwalk, in der Provinz Brandenburg, der auf
Grund der neueren Gesetzgebung funktionierende Gewerbeaufsicbts-
beamte während der Ferien im Jahre 1893 Kinder von 9—14
Jahren mit dem Ausmalen von Bilderbogen etwa 10 Stunden täg-
lich beschäftigt fand, so werden wir in einer solchen Ferien-
Beschäftigung, in diesem Stunden langen über den Arbeitstisch
gebückt Sitzen auch nicht gerade einen Vorteil für die Gesundheit
des Kindes, eine Erholung, wie sie doch die Ferien auch dem
Kinde bringen sollen, erblicken können.
Fassen wir den Gesundheitszustand der in der Industrie be-
schäftigten Kinder ins Auge, so ergiebt sich, was selbstverständlich
ist, kein besseres Resultat als bisher. Unter den 350 Mädchen,
welche in Schmölln vor allen Dingen in der Hausindustrie ver-
wendet werden, zum Knöpfeaufnähen, Bürsteneinziehen, Schnallen-
einziehen, Filzschuhe-Nähen u. a. m., sind 72 scheinbar oder that-
sächlich krank, schwach, nervös. Bei 43 Mädchen wird der Arbeit
ein nachteiliger Einflufs in körperlicher, bei 66 in geistiger Hin-
sicht zugeschrieben. Von den daselbst erwerbsthätigen 336 Knaben
werden 47 als schwach bezeichnet; jedoch glaubt man nur in 15
Fällen diese Schwäche als Folge der Beschäftigung ansehen zu
dürfen. Nachteilige Wirkungen der Beschäftigung auf die geistige
Gesundheit glaubt man in 24 Fällen annehmen zu müssen.
Die Knaben sind Tabakripper, Bürsteneinzieher, Sohlennagler,
Kegeljungen und Austräger. Der Potsdamer Gewerberat teilt mit,
dafs in Rathenow eine handwerksmäfsig betriebene Stuhlflechterei
gefunden wurde, in welcher Kinder in den schulfreien Stunden
mit dem Flechten von Rohrstühlen beschäftigt werden und zwar
„in einem sowohl nach Gröfse wie Zulänglichkeit und Sauberkeit
völlig unzureichenden Räume." Dafs unter solchen Umständen die
Gesundheit der Kinder beeinträchtigt werden mufs, ergiebt sich
ganz von selbst. Im Krefelder Bezirk werden sehr viele schul-
pflichtige Kinder bei den Hilfsarbeiten für die Hausweberei und
insbesondere bei dem Betriebe der Windemaschinen und Spulräder
zur Fertigstellung der Schufsspülchen verwendet. In einem Dorfe
bei Krefeld, wo hauptsächlich Seidenstoff-Hausweberei betrieben
wird, wurden in den drei Gemeindeschulen 254 Kinder, Knaben
und Mädchen, ermittelt, welche mit Spulen beschäftigt wurden.
Von diesen spulen 74,4 "/o bei ihren Eltern und 25,6 ®/o gegen
Lohn täglich 41/2, Mittwochs und Sonnabends sogar 6—7 Stunden.
In einem anderen Dorfe desselben Aufsichtsbezirkes sind 13
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