Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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514 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserziehung.
Es steht mir kein statistisches Material, den Gesundheitszustand
solcher Kinder betreffend, zur Verfügung; aber auch ohne solches
darf man getrost behaupten, dafs derselbe kein guter, kein nor-
maler sein kann. Man schaue doch nur einmal diese unglück-
lichen Austräger genauer an; wie abgespannt, müde, blafs und
hohlwangig sehen sie alle aus! Etwas anderes ist ja auch bei
Kindern gar nicht zu erwarten, welche zu früh aufstehen müssen
oder zu spät ins Bett kommen, als dafs sie ordentlich ausschlafen
könnten; welche sich bei Wind und Wetter, dürftig gekleidet, auf
der Strafse herumtreiben müssen. Das gilt aufser für die Aus-
träger ebenfalls für die Strafsenhändler, die Knaben und Mädchen,
welche Blumen, Streichhölzer u. a. m. in den Stralsen feilbieten.
Diesen droht auch noch eine andere gesundheitliche Gefahr. Wenn
sie mit ihrem kleinen Kram, wie dies ja oft genug geschieht.
Lokale aufsuchen, wird ihnen nicht selten von den Gästen Alkohol
aufgenötigt, so dafs sie bisweilen angetrunken spät nachts in der
elterlichen Behausung anlangen, was häufig auch bei den Kegel-
jungen der Fall ist: und Alkohol ist, wie wir wissen, Gift für
' das Kind. Wie sehr die Gesundheit der Kinder unter der Er-
werbsarbeit, ganz allgemein genommen, leidet, das ersehen wir
aus den Angaben Agahds, die Verhältnisse in Hannover be-
treffend, wenngleich dabei die ungünstige Vermögenslage über-
haupt in Rechnung gezogen werden mufs, insofern sie unzu-
reichende Nahrung und ungesundes Wohnen bedingt und eben
dadurch bereits einen ungünstigen Einflufs auf die körperliche
Entwickelung ausübt. In Hannover wurden 1094 Knaben und
526 Mädchen gezählt, welche erwerbsthätig waren. Unter den
Knaben waren 126, also ll,5''/o) unter den Mädchen 116, also
22 "/o, welche als schwach befunden wurden. Was den nachteiligen
Einflufs der Erwerbsthätigkeit auf die Gesundheit der Kinder in
Gera betrifft, so liefs sich dieser Einfluls im einzelnen auch nur
schwer statistisch nachweisen, „da es in vielen Fällen zweifel-
haft erschien, ob die beobachteten Störungen in der natür-
lichen Körperbeschaffenheit, den Ernährungs- und Wohnungsver-
hältnissen u. s. w. oder in der Beschäftigung der Kinder ihren
Grund hatten." Indessen verdienen doch folgende, recht häufig
wiederkehrende Vermerke volle Beachtung: „sehr blafs; sehr
schwach; wenig entwickelt; oft krank und matt; sehr kränklich,
fehlt deshalb wöchentlich 2—3 Tage; giebt die Beschäftigung auf,
da sie sich Schaden gethan habe," Vermerke, welche sich nament-
lich bei den Mädchen (325 erwerbsthätig in verschiedenster Weise),