Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 55. Gefahren der Erwerhsthiltigkeit der Kinder. 513
§ 56.
Bei Betrachtung der Folgen der Kinderarbeit sind es
zunächst die gesundheitlichen Schädigungen, welche am
meisten in die Augen fallen. Ein normaler Gesundheitszustand des
Kindes ist bedingt, wie wir aus dem dritten Teile dieser Arbeit
wissen, durch ausreichende Ernährung, genügenden Schutz gegen
die Unbilden der Witterung, durch tüchtige körperliche Bewegung
in freier Luft, wie sie Spiele, gymnastische Übungen, Fufswande-
rungen ermöglichen, und endlich durch hinlängliche Ruhe, be-
sonders absolute oder Schlafruhe. Alle diese Bedingungen sind
bei den erwerbsthätigen Kindern nicht erfüllt oder doch blofs in
durchaus ungenügender Weise. Man könnte meinen, dafs bei zu
landwirtschaftlichen Arbeiten herangezogenen Kindern mindestens
das Fehlen der Bewegung in frischer Luft nicht in Abrede ge-
stellt werden könnte; das soll es natürlich auch nicht, ebenso-
wenig wie bei den Kindern, welche als Austräger von Zeitungen,
Semmeln u. dgl. m. thätig sind. Aber diese Bewegung ist keineswegs
eine solche, wie sie dem kindlichen Organismus notthut, am
wenigsten die letztere. In den mit allen möglichen Ausdünstungen
erfüllten Stralsen bei nebligem und bei Regenwetter des Morgens
zeitig und des Abends spät herumlaufen, fortwährend treppauf
und treppab steigen zu müssen, ist ebensowenig der Gesundheit
zuträglich wie das Gebücktstehen auf dem Felde oder das auf
dem feuchten Erdboden auf den Knieen Liegen, das Arbeiten in
glühendem Sonnenbrande zur Zeit der Getreide- und bei Regen-
wetter im Herbst zur Zeit der Kartoffelernte. Aus Pommern be-
richtet der Lehrer Schultz in Wampen, gestützt auf Mitteilungen
von 58 Referenten, dafs 1382 in der Landwirtschaft beschäftigte
Kinder in gesundheitlicher Beziehung gefährdet erscheinen. Was das
Austräger-Unwesen anlangt, so hat dasselbe einen riesigen
Umfang seit etwa 20 Jahren in den Städten angenommen; so sind
in Berlin von allen erwerbsthätigen Kindern 40 "/o und in Ham-
burg 70 "/o mit Botendiensten beschäftigt. In Brandenburg a. H.
giebt es nach Agahd unter den 1770 Schülern der Gemeinde-
schulen 215 oder 12,14 "/o erwerbsthätige; von diesen 215
Kindern sind 79 im Alter von 7—14 Jahren in der Zeit von 4
bis 7 Uhr morgens Semmelausträger, 69 im Alter von 9—-14
Jahren von 1 Uhr nachmittags bis 10^/2 Uhr abends Laufburschen
und 22 im Alter von 7—14 Jahren von 6—10 Uhr abends
Zeitungsträger, ganz abgesehen von einigen Kohlen- und Wasser-
trägern. Also 170 Kinder oder 79,07 ®/o stehen im Botendienst.
Bergemann, Soziale Pädagogik. 33
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