Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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34 I- Teil. Die pädagogischen Grundbegriife.
kurz gehalten und nur zu stimmungsvollen Hintergründen von den
Dichtern verwandt werden, häufig sogar kalt, nüchtern und ober-
flächlich sind. Endlich in der alexandrinischen oder hellenistischen
Periode entwickelt sich das sentimental-idyllische Naturgefühl, die
eigentlich ästhetische Naturbetrachtung und Naturauffassung her-
aus. Die Landschaft wird nunmehr um ihrer selbst willen auf-
gesucht und geschildert; direkt bekennen die Dichter, wie gar
liebliche Reize die Natur biete, und wie bewundernswert ihre er-
habene, ewige Schönheit sei. Jetzt beginnt auch erst die Land-
schaftsmalerei, welche bereits die Keime der modernen in sich
trägt, aber eben nur die Keime. Die hellenistische Landschafts-
malerei war im Grunde genommen nur handwerksmäfsige Wand-
malerei, die zahlreiche technische Mängel aufweist.
Bei der Betrachtung der Entwickelung des Naturgefühls bei
den Römern machen wir die Wahrnehmung, dafs in der älteren
Zeit die Natur in ihnen hauptsächlich Gefühle der Furcht und
des Grauens oder doch solche des Staunens mit einem gewissen
unheimlichen Beigeschmacke hervorrief. Ihre Mythologie verrät
auf Schritt und Tritt ein geheimnisvolles, bängliches Ahnen
höherer Mächte in den Regungen des Naturlebens, ehrfurchtsvolles
Grauen vor Dämonen, die zu dem Menschen im Lispeln oder Rauschen
des Windes, im Rollen des Donners reden, oder die im Waldes-
dunkel, in Felsschluchten und an düsteren Quellen lauern. Später
wird das Landleben der Gegenstand häufiger Schilderungen, aber
nur vom ökonomischen Standpunkte aus. Der Reiz des Natur-
schönen geht dem Römer erst in der augustjnischen Epoche und
in der Kaiserzeit auf, unter dem Einfluss der griechischen und
hellenistischen Muse. Ja, die römische Poesie führte oft noch
weiter aus, was in der griechischen nur leise anklang; sie hat,
kann man geradezu sagen, manchen bedeutsamen Schritt über
Griechen und Alexandriner hinaus und nach dem Modernen hin
gethan. Diese Entwickelung beginnt mit Catull, nachdem schon
bei Lucrez einzelne Spuren einer idyllischen Empfindungsweise sich
gezeigt hatten; von da steigt langsam die Stufenleiter des ästheti-
schen Naturempfindens höher und immer höher auf. Das sym-
pathetische Naturgefühl erfährt eine deutliche, in der Dichtung
nachweisbare Steigerung bis zum romantischen von Vergil und
Ovid bis zu Apulejus, das elegisch-idyllische eine solche bis zum
sentimental-idyllischen von Horaz, Tibull und Properz bis zu
Lucanus und schliefslich Ausonius und Claudian. Wir erkennen
deutlich, dafs die Natur immer weniger gesucht und gepriesen