Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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510 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserziehung.
herbeigeführten Ausbeutung der handarbeitenden Klassen anzu-
sehen ist. So bilden beispielsweise im Meininger Oberlande Wochen-
löhne von 3—4 Mark bei 15—IGstündiger täglicher Arbeitszeit
die Regel. Unter solchen Verhältnissen müssen ja alle in der
Familie vorhandenen Hände zur Arbeit herangezogen werden, um
nur das nackte Leben fristen zu können. Bei meinen Erhebungen
in Wenigen-Jena stellte sich heraus, dafs die ökonomischen Ver-
hältnisse die Erwerbsthätigkeit der Kinder unbedingt notwendig
erscheinen liefsen bei 55,5 "/o der Knaben und bei 42,8 "/o der
Mädchen. Die Möglichkeit industrieller Kinderarbeit aber ist
gegeben durch den modernen maschinellen Betrieb, der ge-
lernte Arbeiter in vielen Beziehungen vollkommen entbehrlich
macht: eine Maschine kann auch von einem Kinde bedient werden.
Aus diesem Umstände ergiebt sich auch noch etwas anderes; darin
ist nämlich im Verein mit dem Egoismus der Arbeitgeber und mit
der Konkurrenz eine der Ursachen der Notlage zu erblicken. Kinder-
arbeit ist billiger und wird daher, soweit sie die Arbeit Erwachsener
zu ersetzen imstande ist, dieser vorgezogen, so dafs die eigenen
Kinder zu Lohndrückern des Familienvaters werden. Dieses
Moment kommt freilich seit den Verordnungen von 1891 für den
Fabrikbetrieb teilweise in Wegfall. Gestützt auf die amtlichen
Mitteilungen aus den Jahresberichten der mit Beaufsichtigung der
Fabriken betrauten Beamten kann man z. B. bezüglich Wurzens
sagen, dafs die Arbeitgeber auf den Vorteil, der ihnen durch Lohn-
ersparnis aus der Beschäftigung jugendlicher Arbeiter erwächst,
jetzt verzichten, weil die, durch die Beschränkung der Arbeitszeit
hervorgerufenen Störungen im Fabrikbetriebe es ihnen unmöglich
machen, unverhofft eingehende Aufträge mit kurzer Lieferzeit, welche
eine Vollständigstmögliche Ausnützung aller Betriebseinrichtungen
bedingen, zu übernehmen. Hingegen bleibt jenes Moment der Lohn-
drückung in allen sonstigen Fällen in vollster Wirksamkeit. Das läfst
sich sehr deutlich u. a. auf dem Gebiete der sogenannten agrar-
industriellen Unternehmungen beobachten, welche heute bereits
Abertausende von Kindern zu harter Arbeit an Maschinen auf den
Feldern, so bezüglich der Spiritus- und der Zuckerfabrikation auf
den Kartoffel- und Rübenfeldern, heranziehen. Bedenkt man, dafs
der maschinelle Betrieb sich unaufhaltsam weiter ausdehnt, dafs be-
ständig neue Erfindungen gemacht werden, so ergiebt sich, wenn
nicht die Kinderarbeit in noch ganz anderer Weise als bisher ein-
geschränkt wird, eine wahrhaft entsetzliche Perspektive. Was
nützt es, die Kinder aus den kontrollierten Fabriken zu vertreiben.