Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 55. Gefahren der Erwerhsthiltigkeit der Kinder. 509
gierungsbezirkes Minden waren beschäftigt im Jahre 1890 1797
Kinder, 1891 1883 Kinder, 1896 infolge des Inkrafttretens der
Arbeiterschutzgesetzgebung nur noch 11 Kinder und seitdem über-
haupt keine. Aber dafür hat sich die Hausindustrie entwickelt
und wird vorwiegend mit kindlichen Hilfskräften betrieben. Die
fünf evangelischen Schulen in Halstern, Otscheid, Obernbeck,
Spenge und Vlotho, Orte im Kreise Herford, haben beispielsweise
zusammen 1461 Kinder in 23 Klassen, und von diesen Kindern
werden 721 in der Zigarrenindustrie beschäftigt und zwar 531 an
allen Wochentagen mehr als 3 Stunden täglich. In den ersten
und zweiten Klassen dieser Schulen sitzen 694 Kinder, von
welchen 379 und zwar 353 an allen Wochentagen mehr als 3
Stunden in der Zigarrenindustrie verwendet werden, nach einer
Notiz der „Pädagogischen Zeitung" vom 7. September 1899.
Nach den Mitteilungen des Aachener Gewerberates waren in
Aachen etwa 2000 und in Stolberg und der nächsten Umgebung
gegen 1000 Schulkinder, darunter viele im Alter von kaum 6
Jahren, in hausindustriellem Erwerbe thätig. In der Hausindustrie
zu Iserlohn wurden 646 schulpflichtige Kinder mit dem Auf-
schnüren von Nadeln beschäftigt. Und in der Knopffabrikation
zu Lüdenscheid und Steheim, in der Textilindustrie zu Laasphe
und Fredeburg, im Arnsberger Bezirk, finden ebenfalls „vielfach"
Kinder in der Hausindustrie Beschäftigung, „doch fehlen hierüber
zahlenmäfsige Angaben." Ausdrücklich heifst es in einem der
amtlichen Berichte: „Die Beschäftigung der Kinder in der Haus-
industrie und in Werkstätten nimmt immer gröfseren Um-
fang an."
Die Ursachen der Erscheinung der in so ungeheurem Um-
fange verbreiteten Arbeit von Kindern und überhaupt jugendlichen
Personen sind zu finden in der ungünstigen ökonomischen Lage
eines grofsen Teiles der Bevölkerung, in der zunehmenden Prole-
tarisierung infolge der kapitalistischen Warenproduktion, des Grofs-
industrialismus auf kapitalistischer Grundlage. Daneben kommen
natürlich auch noch manche andere Faktoren persönlicher Art in
Betracht, nämlich Unverstand, Habsucht und Faulheit der Eltern
und mangelnde Elternliebe, Habsucht und Gewinnhunger der
Arbeitgeber. Also, kurz zusammengefafst, sind es Notlage und
Egoismus, welche die erwerbsmäfsige Kinderarbeit grofsgezogen
und ihr eine so enorme Ausdehnung verschafft haben. Obenan
steht jedenfalls die Notlage der grofsen Masse des Volkes, welche
als die Folge der durch die kapitalistische Gesellschaftsordnung