Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
§ 53. Die Auswahl und Anordnung der Unterrichtsstoffe. 501
jedoch unser Geistesleben in keiner Weise beeinträchtigt: wir
fallen ganz vernünftige Urteile, ohne dafs wir uns dessen bewufst
sind, dafs wir sie fällen, d. h. ohne dafs in unserem Bewufstsein
die Ich-Vorstellung auftaucht. Die Beziehung der verschiedenen
Vorstellungen zur Ich - Vorstellung ist somit ganz belanglos.
Welche Bedeutung hat demnach die künstliche Konzentration,
welche nach Ansicht der Herbartianer die natürhche unterstützen
soll! Eine allseitige Beziehung der Vorstellungen aufeinander ist
wegen des teilweise ganz heterogenen Charakters der verschiedenen
Vorstellungen überhaupt unmöglich; eine Beziehung der Vor-
stellungen auf die Ich-Vorstellung ist teils selbstverständlich teils
belanglos. Will man, soweit Beziehungen der Vorstellungen auf-
einander und zur Ich-Vorstellung sich ergeben, dies als Kon-
zentration bezeichnen, so habe ich nichts dagegen; auch ist sicher,
dafs wir jene Art der Konzentration in gewisser Hinsicht fördern
können, während wir allerdings auf diese gar keinen Einflufs haben.
Aber es fragt sich, ob eine derartige Förderung nötig ist. Die Her-
bartianer bejahen diese Frage; sie meinen, „der jugendliche Geist"
könne nicht selbst „die Verbindungen zwischen den mannigfaltigen
Vorstellungskreisen" herstellen. Das ist bei heterogenen Vorstel-
lungen allerdings ebenso unmöglich wie überflüssig; eine Spaltung
des Bewufstseins nach Art der bekannten Erscheinung des Doppel-
Bewufstseins erfolgt, wie die Herbartianer zu fürchten scheinen,
dadurch keineswegs. Soweit aber die Vorstellungen sich ihrer
Beschaffenheit gemäfs aufeinander beziehen können, soweit erfolgen
diese Beziehungen der Hauptsache nach ganz von selbst. Jedoch
sind hierbei gewifs kleine Nachhilfen ganz am Platze.
Freilich ist noch eine Art der Konzentration möglich, nämlich
die, dals alle Vorstellungen auf einen bestimmten Gegenstand be-
zogen werden. Auch das kann ganz von selbst geschehen, aber
nur nach erlangter intellektueller Reife; denn dazu gehört, dafs
man den Wert des betreffenden Gegenstandes voll erkannt hat;
dafs man weifs, dafs er von allumfassender Bedeutsamkeit ist, und
einer derartigen Erkenntnis ist das Kind natürlich noch nicht von
selbst fähig. Es fragt sich nun, ob es einen solchen Gegenstand
überhaupt giebt, und ferner, ob es nötig ist, alles, was das Kind
lernt, auf denselben zu beziehen, oder ob man diese Beziehung
seiner Vorstellungen auf den betreffenden Gegenstand ihm selbst
für später überlassen soll. Einen solchen Gegenstand giebt
es in der That; es ist aber nicht derjenige, den die Her-
bartianer dafür ansehen, nicht die Sittlichkeit, sondern