Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
sie, indem sie dieselbe aller Bedeutung und Tragweite beraubte,
zu einem wertlosen Zufall herabsetzen würde. Vererbung und
Variation im Verein dagegen schaffen wahres Leben, wahren
Fortschritt und wahre Entwickelung. Die Variation bringt be-
ständig physiologische und psychologische Sondereigenschaften,
Eigentümlichkeiten hervor, und die Vererbung fixiert dieselben
fort und fort. Auf diese Weise werden Veränderungen im
menschlichen Organismus, wie die angedeuteten, erzeugt, Ver-
änderungen, welche die Menschen späterer Geschlechter in den
Stand setzen, die nämlichen psychischen Prozesse leichter und
schneller als diejenigen früherer Generationen, ferner aber noch
verwickeitere und höhere, schliefslich unter Umständen ganz neue
zu vollziehen. Wir finden derartige Ansichten auch in der That
bei verschiedenen ausgezeichneten Forschern, Gelehrten, Philosophen,
bei Männern wie Lazarus, E. von Hartmann, Fechner u. a. m. —
Als konkreten Beweis dafür, dafs die Menschen im Verlaufe der
Entwickelung wirklich nicht nur die nämlichen psychischen Prozesse
schneller und leichter vollziehen oder dieselben nur immer mehr
komplizieren, sondern dafs auch ganz neue auftreten können, be-
trachte ich den Umstand, dals der Sinn für das Naturschöne im
wesentlichen erst in neuerer Zeit bei den europäischen Völkern
sich entwickelt, bezw. wieder entwickelt hat; dafs die eigentlich
ästhetische Naturbetrachtung erst dann zum Durchbruche kommt,
wenn die Zivilisation einen gewissen Höhepunkt erreicht hat.
Verfolgen wir den Entwickelungsgang des Naturgefühls bei den
Griechen, so finden wir im homerischen Zeitalter eine durchaus
naive, mythologische Auffassung der Natur vor. Der homerische
Held hat noch kein persönliches Verhältnis, keine bewufste Hin-
neigung zur Natur. Die Natur als Komplex von Erscheinungen
ist ihm fremd, und diese selbst sind teils nur dienende Elemente
der waltenden Götter, teils sind sie durch die mythische Personi-
fikation absorbiert. Alles geschieht in der Natur auf Geheifs eines
Gottes: Götter und Göttinnen verbreiten Nebel um die Lieblings-
helden; auf Befehl des Zeus fällt blutiger Tau. Die charakteristische
litterarische Kunstform dieser Naturauffassung ist das Gleichnis.
Am „öden" Meer sitzt „weinend" Odysseus; ans „brandende"
Meer führt Homer den „grollenden" Priester. Im eigentlich
klassischen Zeitalter kommt dann das sympathetische Naturgefühl
zum Durchbruch, als Vorstufe zu einer unmittelbaren, persönlichen
Hinneigung zur Natur. Die Freude an der Natur schimmert
durch die Schilderungen der Natur hindurch, die jedoch meist
Bergemann, Soziale Pädagogik. 3