Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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500 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
Bemühen; damit imponiert man heutzutage niemandem mehr:
Ideen, auch solche, die in berühmten Köpfen aufsteigen, sind gar
oft nichts weiter als Seifenblasen. Ob ein Parallelismus zwischen
der individuellen und der generellen Entwickelung besteht, das ist
ein Problem, welches einzig und allein mit Hilfe der exakten
Forschung entschieden werden kann. Wir wissen bereits, wie die
Sache steht, und somit erübrigt sich jede fernere Besprechung
dieses Gegenstandes: es sind keine Daten vorhanden, welche
die Gestaltung des Lehrplans nach kulturhistorischen
Stufen zu rechtfertigen vermöchten.
Nicht besser steht es mit der Konzentrationsidee; auch sie
erweist sich bei näherem Zusehen als Seifenblase. Die Konzen-
tration soll Einheitlichkeit des Gedankenkreises bewirken, worunter
man die bewulste Beziehung aller Vorstellungen aufeinander oder
„das Bewufstsein einer lebhaften und beständigen Wechselwirkung
innerhalb eines unübersehbaren Vorstellungskomplexes" versteht,
wobei es mir rätselhaft ist, wie man innerhalb eines „unüber-
sehbaren" Vorstellungskomplexes ein Bewufstsein der beständigen
und lebhaften Wechselwirkung der einzelnen Vorstellungen haben
kann. Der Vereinigungspunkt soll das Ich, die Bedingung für
das Zustandekommen der Vereinigung, der einheitlichen Be-
ziehung, die Einfachheit der Seele sein. Man sieht, dass die Kon-
zentrationsidee auf einem metaphysischen Postulate beruht. Nun
haben wir aber gar keine Berechtigung, von einer Seelenmonade
zu sprechen; in der Erfahrung ist uns für diese Annahme auch
nicht der geringste Anhaltspunkt gegeben. Mit der Begründung
der Möglichkeit der Konzentration seitens der Herbartianer ist
also nichts geholfen; aber damit ist diese Möglichkeit selbst noch
nicht geleugnet: eine Theorie kann richtig sein, wenngleich ihre
Motivation untauglich ist. Die Frage ist somit die: ist uns in
der Erfahrung eine solche Aufeinanderbeziehung der verschiedensten
Vorstellungen, welches auch die Bedingungen dieses Phänomens
sein mögen, gegeben? Die Antwort ist eine verneinende, da wir
gar nicht alle Vorstellungen aufeinander beziehen können; denn
unsere Vorstellungen sind zum grofsen Teil viel zu heterogener
Art. Was die Beziehung auf unser Ich, d. h. auf unsere Ich-
Vorstellung betrifft, so ist zu sagen, dafs eine solche Beziehung
insoweit natürlich vorhanden ist, als wir, unsere psychische Be-
schaffenheit als normal vorausgesetzt, unsre Vorstellungen auch als
die unsrigen betrachten. Aber einer direkten Beziehung zu unserer
Ich-Vorstellung sind wir uns blofs in seltenen Fällen bewufst, was