Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 53. Die Auswahl und Anordnung der Unterrichtsstoffe. 499
spräche miteinander zu führen imstande seien, und dafs eine Bohne
sich zu Tode zu lachen vermöge. Ganz abgesehen einmal davon,
dafs es geradezu ein ästhetisches Verbrechen ist, die Märchen zur
Gewinnung moralischer Grundsätze zu benützen, und zum andern
davon, dafs ihre unterrichtliche Behandlung für die Kinder im
höchsten Grade langweilig ist. Man bedenke: es sind für den
Märchenunterricht im Lehrplan der Herbartianer wöchentlich 6 Stun-
den angesetzt, und im ganzen Jahre, also in etwa 40 Schulwochen,
werden blofs 12 Märchen durchgenommen; es kommen also auf
240 Schulstunden 12 Märchen, auf ein Märchen somit 20 Stunden!
V\^ie langweilig den Kindern dieser Unterricht wird, das habe ich oft
genug bei meinem Hospitieren, das ich ein Semester lang ziemlich
regelmäfsig fortgesetzt habe, zu beobachten Gelegenheit gehabt.
Wenn ich jetzt noch einmal die Frage aufnehme, weshalb
nicht der gesamte Unterricht nach kulturhistorischen Stufen ange-
ordnet wird, so stofsen wir von neuem auf Widersprüche. Man
sagt, eine vollständige Ubereinstimmung zwischen der individuellen
und der generellen Entwickelung bestehe ja nicht, nur eine ge-
wisse Ähnlichkeit. Wenn dem so ist, warum hält man sich da
aber das eine Mal an diese Ähnlichkeit und das andere Mal nicht?
„Wenn eine Ähnlichkeit, wie grofs oder gering sie sei, besteht,
so ist dieselbe jedenfalls von prinzipieller Bedeutung," heifst es
doch wörtlich in der „Theorie und Praxis des Volksschulunter-
richtes". Bald ist also etwas von prinzipieller Bedeutung und
bald wieder nicht. Da ist freilich der Kritiker in einer üblen
Lage; denn auf diese Weise entschlüpft ihm die Materie, die er
unter den Händen hat, beständig. Strenge Konsequenz und Folge-
richtigkeit scheint eben nicht die starke Seite der Herbartianer zu
sein: ihre ganze Theorie macht einen recht bedenklich wackeligen
Eindruck.
Noch ist nun die Frage zu beantworten, ob denn über-
haupt ein solcher Parallelismus, wie die Herbartianer annehmen,
besteht. Als Beweis dafür werden die Meinungen vieler berühmten
Männer angeführt. „Wir finden die Idee der Analogie zwischen
der individuellen und generellen menschlichen Entwickelung als
ein Gemeingut der besten und bedeutendsten Geister." Und
dann werden die Namen einer Reihe von Litteraturheroen, Philo-
sophen, Theologen, Philologen, Pädagogen und eines Natur-
forschers, nämlich Huxleys, genannt, sogar Clemens von Alexan-
drien und Augustin müssen herhalten. Nun, wenn man auf solche
Weise sich ein Relief geben will, so ist das ein ziemlich naives
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