Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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498 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
hauptung wäre richtig, so ist diese Frage doch entschieden zu
verneinen und zwar aus folgenden Gründen. Die individuelle Ent-
wickelung soll mit der generellen in der Weise Hand in Hand
gehen, dafs im fünfzehnten Lebensjahre der Zögling so ziemlich
auf der Kulturstufe der jeweiligen Gegenwart steht. In vierzehn
Jahren also durchläuft er die ganze bisherige Entwickelung des
Menschengeschlechtes von seinen Uranfängen an. Nun mache man
sich zunächst das Mifsverhältnis einmal recht klar, das sich daraus
ergiebt, dafs man das sechsjährige Kind als erst auf der Märchen-
stufe stehend betrachtet, ganz abgesehen davon, dafs dieselbe über-
haupt gar keine Kulturstufe ist, ebensowenig wie die Robinsonstufe.
Wenn man die Märchenstufe aber als Kulturstufe gelten lässt, so
soll das doch heifsen, dafs sie eine sehr niedrige ist, die weit vor der-
jenigen des patriarchalischen Nomadenlebens liegt; denn auf dieser
letzteren stehen ja erst die achtjährigen Kinder. Also in den ersten
sechs Jahren seiner Entwickelung soll das Kind so gut wie gar
nicht vorwärts kommen, in den folgenden acht Jahren aber einen
Riesenweg zurücklegen, den Weg vom grauesten Altertume bis zur
Gegenwart. Jedoch zugegeben, auch das habe seine Richtigkeit,
warum mutet man denn dem Kinde der Märchenstufe zu, dafs es
Lesen, Schreiben, Rechnen lernt? Von diesen Künsten hatten die
Menschen der Vorzeit noch gar keine Kenntnis, folglich gehen sie
auch über den Horizont des Kindes hinaus, das jenen Menschen in
seiner Entwickelung gleicht. Woher nimmt das Kind die dazu er-
forderliche Apperzeptionsfähigkeit? Man sieht: nichts als Wider-
sprüche über Widersprüche, die sich aber leicht vermeiden Helsen,
wenn die Herbartianer einfach erklärten: die Märchen und die
Robinsongeschichten behandeln wir, weil wir dem in die Schule
eintretenden Kinde den Übergang von der Ungebundenheit des
freien Spiels zur ernsten Arbeit gern durch ein wenig Zuckerbrot
erleichtern möchten. Statt dessen thun sie sich auf die Einfügung
dieser Geschichten in den Lehrplan aufserordentlich viel zu gute,
weil sie meinen, die Märchen hätten vor den üblichen biblischen
Geschichten den grofsen Vorzug voraus, dafs sie nicht wie diese
über den kindlichen Horizont hinausgingen; dafs sie eben der kind-
lichen Apperzeptions-Fähigkeit entsprächen. Ich hingegen ünde,
dafs die Ersetzung der biblischen Geschichten durch Märchen den
Teufel durch Beelzebub austreiben heifst. Die Apperzeptionshilfen,
welche die Kinder mit in die Schule bringen, sind doch wahrlich
nicht derart, dals sie es für ganz selbstverständlich halten könnten,
dafs ein Strohhalm, eine Kohle und eine Bohne die niedlichsten Ge-