Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 53. Die Auswahl und Anordnung der Unterrichtsstoffe. 497
lischen Nomadenvolke die Schafe hüten und zwölf Monate später
mit einem Stamme, der das Nomadenleben satt hat und sich nach
einer sefshaften Lebensweise sehnt, auf die Eroberung eines ge-
lobten Landes ausgehen müfste. Doch ich vernehme den Vor-
wurf, dafs ich übertreibe und karikiere. So meine man es doch
nicht; das sei ja lächerlich, den Herbartianern solche Thorheiten
in die Schuhe schieben zu wollen. Nur um einen ungefiihren
Parallelismus handle es sich und um die Ansicht, dafs das kind-
liche Interesse jenen Stufengang einhalte. Damit sind wir bei
dem zweiten Grunde angelangt: die Kulturstufen, sagen die Her-
bartianer, sind Apperzeptionsstufen. Als ob damit auch nur
das Mindeste geändert würde. Behaupten, dafs das Kind im dritten
Schuljahre auf einer Apperzeptionsstufe stehe, der zufolge man ihm
die Patriarchengeschichten erzählen müsse, das heifst behaupten,
dafs es etwas anderes nicht verstehen würde. Also ist damit nichts
anderes gesagt als dies, dafs das Kind seiner Entwickelung ge-
mäfs wirklich auf dieser Stufe ste^t. Apperzipieren heifst ja
wiedererkennen. Ich erkenne einen Gegenstand etwa als Feder-
halter, weil ich schon hundert Federhalter gesehen habe. Ich ver-
stehe eine philosophische oder eine pädagogische Abhandlung, weil
ich in diesen Dingen lebe und webe, auch in allem Neuen, was
vorgebracht wird, immer wieder etwas Bekanntes entdecke. Aber
ich würde, wenn es noch höher organisierte Wesen als die
Menschen gäbe und diese auch über ihre Anschauungen u. s. f.
Aufsätze und Bücher schrieben, diese nicht verstehen, weil ich
eben nicht auf der höheren Entwickelungsstufe solcher Wesen
stehe: meine Apperzeptionsfähigkeit würde versagen. Das gilt
auch von den Kulturstufen, die als Apperzeptionsstufen aufgefafst
werden sollen. Die Behauptung, dafs das Kind im dritten Schul-
jahre auf der Apperzeptionsstufe der Patriarchenzeit stehe, besagt
nichts anderes, als dafs es ein Joseph oder Benjamin in einer
neuen Gestalt sei und somit nur das Leben verstehe, welches der
Joseph oder Benjamin der Genesis geführt hat. Und in der That
scheint das auch der Herbartianer wahre Meinung zu sein, deren
Barockheit sie blofs mit dem Mäntelchen der Apperzeptionsstufen
zuzudecken sich bemühen. Denn sie sprechen doch recht viel von
der Übereinstimmung der individuellen mit der generellen Ent-
wickelung.
Verhält es sich nun wirklich so, wie die Herbartianer be-
haupten? Und wenn ja, leistet dann der Unterricht, wie sie ihn
anordnen, das, was er leisten soll? Nehmen wir an, jene Be-
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