Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 53. Die Auswahl und Anordnung der Unterrichtsstoffe. 495
sieht auf die Jahreszeit leiten, während man im Gesangunterrichte
gleichzeitig entsprechende Lieder vornimmt. Ganz ähnlich hält
man es oft mit der Behandlung von Gedichten. Aber man hütet
sich wohl, es offen einzugestehen, dafs man da die Konzentrations-
Idee eigentlich ihrer prinzipiellen Bedeutung nach ganz aufge-
geben hat; man versteht es sehr gut, diesen Begriff nach Belieben
zu dehnen und zu weiten, sodafs er in Wirklichkeit nur noch
ein Phantom ist. In solchen Fällen spricht man einfach von einer
Konzentration in Gemäfsheit der das Kind irgendwie berührenden
Ereignisse und Geschehnisse, sei ein solches Ereignis nun der
Beginn des Frühlings oder der Anfang des Winters, die Nähe des
Weihnachtsfestes oder der Geburtstag des Landesherrn. Aber der
Wert der Sache, von der man so viel Aufhebens macht, wird
dadirrch doch ziemlich illusorisch, und jedenfalls ist so diese Sache
nichts weniger als etwas ganz Neues, noch nie Dagewesenes;
denn auf diese Weise verfahren ja die von den Herbartianern so
sehr verachteten , Vulgär-Pädagogen" schon seit langem.
Mit der Anordnung der Lehrgegenstände nach kultur-
historischen Stufen und gemäss dem Prinzipe der Konzentration
bezwecken die Herbartianer Folgendes. Mit den kulturhistorischen
Stufen gedenken sie dreierlei zu vollbringen, nämlich die Schüler
in den Werdegang der Kultur einzuführen, dabei streng psycho-
logisch, nach dem Worte „naturam sequi", zu verfahren und endlich
für die Charakterbildung in ausgiebiger Weise zu sorgen. Mit der
Konzentration hoffen sie zweierlei zu erreichen: Einheitlich-
keit des Gedankenkreises und damit Einheitlichkeit und Stärke des
Charakters. Dafs die Schüler mit dem Werdegange der Kultur
vertraut zu machen sind, darin stimme ich mit den Herbartianern
durchaus Oberein, ebenso in der Begründung dieser Forderung:
wer in der Gegenwart sich orientieren und wirken will, der mufs
die Vergangenheit kennen lernen; denn jene ruht auf dieser. Was
das Argument betrifft, dafs auf solche Weise auch der Charakter
des Zöglings gebildet werde, so ist dasselbe, was ich nach allem
früher Gesagten nicht weiter zu begründen brauche, hier ebenso
hinföllig wie bei seiner Geltendmachung zu Gunsten der Kon-
zentration: für die charakterologischen Grundlagen, das Trieb-,
Affekt- und Willensleben, kommen ja im wesentlichen ganz andere
Bildungsbedingungen in Betracht als für das Vorstellungs-
leben. Aber selbstverständlich besteht die Verpflichtung, die
Charakterbildung mit der intellektuellen in Einklang zu setzen,
was dadurch zu geschehen hat, dafs der Zögling daran gewöhnt