Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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492 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
Vergleichen wir mit dem allen den Lehrplan der Her-
bartianer, welcher als der bestbegründete und bestmögliche
von ihnen selbst wenigstens angesehen wird, so ist zunächst
einmal die prinzipielle Ableitung der Unterrichtsstolfe, d. h. die
Ableitung derselben aus dem Endzwecke der Erziehung, als eine
gänzlich verfehlte, jedenfalls als eine wissenschaftlich völlig un-
haltbare zu bezeichnen. Wenn wir bei einem der hervorragendsten
Herbartianer lesen, dals als Grundsatz für die Stoffauswahl fol-
gende Überlegung zu gelten habe: ,Der Zögling soll dereinst im
Leben sich bethätigen können; er soll an den Aufgaben, welche
die Gegenwart an ihn stellt, selbstthätig an seinem Teile mit-
arbeiten," weshalb für den Erzieher die Forderung erhoben werden
müsse: „Betrachte den gegenwärtigen Kulturstandpunkt des Volkes
und suche denselben bei deinem Zögling nach allen Seiten hin zu
rechtem Verständnis zu bringen", und dafs dieser Grundsatz im
Begriff des sittlichen Charakters eingeschlossen hege, so weifs
man nicht recht, was man zu einer solchen Argumentation sagen
soll. Der betreffende Herbartianer giebt mit seinen Worten eigent-
lich ohne weiteres zu, dafs der oberste Erziehungszweck der Her-
bartianer unzulänglich für die Stoffauswahl ist; dafs die Stoffaus-
wahl nur vom Standpunkte des Kulturprinzipes aus erfolgen kann.
Aber er scheut sich, daraus die doch so nahe liegende Konsequenz
zu ziehen, dafs somit jener Erziehungszweck wohl überhaupt nicht
höchster Erziehungszweck sein kann; denn ein solcher darf doch
in keiner Hinsicht unzulänglich sein. Er scheut sich, offen einzu-
gestehen, dafs das Kulturprinzip eben das allein für die Erziehung
malsgebende, der Kulturarbeiter das Erziehungsideal ist. Er wagt
es nicht, der Tradition der Herbartianer untreu zu werden, und spricht
gelassen die Ansicht aus, dafs die Ausrüstung des Menschen mit den
der jeweiligen Kultur entsprechenden Kenntnissen der Entwickelung
seines sittlichen Charakters diene. Diese Ansicht ist ja aber aus
psychologischen Gründen unhaltbar; wer sie noch immer verficht,
über dessen Naivetät und Unkenntnis kann man nur lächeln.
Freilich wäre es auch möglich, dafs jener Herbartianer unter dem
Sittlichen das Sittliche im höheren und weiteren Sinne versteht, und
dann hätte er allerdings vollkommen Recht. Aber von einem Her-
bartianer ist diese Auffassung nicht zu erwarten, und in der That
finde ich nirgends eine Andeutung, welche die Annahme einer
solchen Auffassung rechtfertigte. Ich finde im Gegenteil, dafs eben
jener Herbartianer sich durchaus an das Sittliche im engeren und
niederen, im üblichen Sinne hält; er sagt ausdrücklich, dafs Sitt-