Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 53. Die Auswahl und Anordnung der Unterrichtsstoffe. 491
jähre an in Betracht kommende Unterrichtsstoff in zwei grofse
Gruppen, wenigstens soweit er die Grundlage für die allgemeine
Bildung ausmacht. Dieser Stoff soll nämlich zweimal in je vier
Jahreskursen behandelt und durchgearbeitet werden. Nehmen wir
noch denjenigen der allgemeinen Volksschule hinzu, so ergeben
sich also im ganzen drei grofse konzentrische Kreise oder
Gruppen. In der ersten handelt es sich um die Gewinnung
der allgemeinen Grundbegriffe für alles Wissen überhaupt;
in der zweiten wird der Hauptnachdruck auf die Verbreite-
rung und in der dritten auf die Vertiefung des
Wissens gelegt. Eine derartige Anordnung entspricht durch-
aus den Thatsachen der Erfahrung, unserer Kenntnis des psychischen
Werde- und Entwickelungsganges. Denn all unser Wissen er-
weitert sich beständig in konzentrischen Kreisen, oder ich will,
da die Anwendung dieses Ausdruckes auf unser geistiges Wachs-
tum nicht ganz der Sache angemessen ist, lieber sagen: in Form
einer Spirale. Wir erwerben uns auf irgend einem Gebiete einen
Kreis des Wissens, schliefsen denselben jedoch nicht ganz, sondern
neuen Zuwachses gewärtig lassen wir das Ende der Kreislinie über
ihrem Anfangspunkte in der Schwebe uns innewohnenden Gesetzen
gemäss. Auch ist zu bedenken, dafs ja unsere geistigen Kapazitäten
zu verschiedenen Zeiten ganz verschieden sind; die nämlichen
Gegenstände der äufseren wie der inneren Erfahrung sehen wir
zu verschiedenen Zeiten mit ganz verschiedenen Augen an: wir
gewinnen ihnen immer neue Seiten ab. Ebenso ist es beim Kinde;
es wird ihm keineswegs langweilig, denselben Dingen wiederholt
zu begegnen, weil es eben stets wieder Neues im Verlaufe seines
geistigen Wachstums daran entdeckt. Unser ganzes Wissen be-
ruht einzig und allein darauf, dals wir uns fort und fort mit den
nämlichen Gegenständen beschäftigen; wer beständig von einem
zum andern flattert, der erwirbt nicht Wissen, Kenntnisse, sondern
häuft nur eine wirre Masse in seinem Kopfe auf. Aufserdem
werden uns auf jene Weise die Dinge lieb und wert; es bildet sich
dadurch ein gemütlicher Zusammenhang zwischen den Dingen
und uns: sie gewinnen eine Beziehung zu unserem Gefühlsleben.
So kommt auch das zustande, was wir Patriotismus nennen; was
wir als Anhänglichkeit an Dinge und Personen bezeichnen. Ander-
seits freilich darf auch das nicht übersehen werden, dafs das Kind
nach Abwechselung verlangt; aber diesem Verlangen wird ja voll-
auf Rechnung getragen: nur in grofsen Zwischenräumen kehren die-
selben Materien wieder und zudem niemals in ganz gleicher Weise.