Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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32 I- Teil. Die pädagogischen GrandbegrüFe.
die Richtigkeit der Behauptung erbracht, dals die Gattung Mensch
bildsam ist, und dafs ihre Bildung sich in fortschreitender Ent-
wickelung, in aufsteigender Linie vollzieht. Freilich, worauf das
alles beruht, das wissen wir noch nicht mit Bestimmtheit; es sind
nur Hypothesen, welche wir zur Erklärung dieser Thatsachen ver-
wen den können, allerdings Hypothesen, die zum gröfsten Teil
einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit haben, Hypothesen, die
nicht aus der Luft gegriffen sind, sondern zu deren Aufstellung
die Thatsachen der Erfahrung geradezu hindrängen. Eine spätere
Zeit wird sicherlich dieselben, wennschon noch in manchen Einzel-
heiten weiter ausgebildet, in diesem oder jenem Stücke umgebildet,
zu Gesetzen erheben, ihre Richtigkeit also wirklich nachweisen
können. Es sind dies die Lehren von der Anpassung, ferner von
der Zuchtwahl und der dadurch bedingten Verfeinerung des
Organismus, wobei durch Typenmischung Variation bewirkt wird,
wie eine solche bei der Anpassung durch spontane Abänderung
oder unter dem Einfluss von Klima und sonstigen geographi-
schen Erscheinungen schliesslich eintritt, und wiederum der Ver-
erbung, durch welche jene Verfeinerungen übertragen und weiterhin
durch erneute Zuchtwahl summiert werden.
§
Auf diesem Hintergrunde der Gattungs-Bildsamkeit gewinnt
auch die individuelle eine erhöhte Bedeutung. Das Individuum
ist ja nur ein Teil der Gattung; aus ihr heraus individualisiert
es sich; es führt mit ihr ein Leben. Somit gilt bezüglich seiner,
was für die Gattung im ganzen gilt. Daraus folgt, dafs die An-
lagen der Individuen keine konstante, sondern eine
variable Gröfse sind, mit anderen Worten, dafs die Grenze
derNormalitätsichverschiebt, nämlich hinaufrückt,
allerdings nur ganz allmählich, ganz langsam, im Laufe langer
Zeiträume. Der Grund hierfür ist eben in der aufsteigenden
Veränderung zu suchen, die Hirn und Nervensystem des Menschen
infolge der vorher angegebenen Erscheinungen, also der Vererbung
und der Variation, sei sie durch Anpassung, sei sie durch Zucht-
wahl hervorgerufen, erfahren. Beides, Vererbung und Variation,
ist von der gröfsten Wichtigkeit. Die Vererbung allein, ohne
Variation, würde blofs die endlose, monotone Erhaltung derselben
ein für allemal festgewordenen Typen bedingen, wie die Variation,
wenn sie ohne Vererbung bestände, alle Entwickelung verflüchtigen,