Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 53. Die Auswahl und Anordnung der Unterrichtsstoffe. 483
lehrung anknüpfen. Alle einzelnen Unterrichtsgegenstände wer-
den in direkte Verbindung mit, in unmittelbare Beziehung zu den
geschichtlichen Belehrungen gesetzt, und es wird die Bedeutung,
die Tragweite der menschheitlichen Kultur in ihrer Totalität zu
erschliefsen wenigstens versucht. Darüber hinaus ist der Blick auf
das Ewige zu lenken; aller Unterricht wird also zuletzt geschichts-
philosophischer, und dieser wieder wird zum Religionsunterricht.
In der Kultur tritt ja dem Zögling die Einheit des sich immer
mehr vergeistigenden Lebens mit gröfster Deutlichkeit entgegen;
den Träger dieses Lebens lehren wir ihn mit dem Namen „Gott" be-
zeichnen. Nunmehr ist es auch an der Zeit, die Thatsache ins rechte
Licht zu setzen, dafs das Sittliche, wie alle Erscheinungen des
Geisteslebens überhaupt, etwas in der Entwickelung Begriffenes ist;
dafs, worauf es vornehmlich ankommt, die Sittlichkeit im engeren
Sinne sich vervollkommnet, so dafs wir auf die dereinstige Ver-
wirklichung des Ideals einer sittlichen Gesellschaft hoffen
können. Daraus ergiebt sich für den der Erziehung Entwachsen-
den, der selbständig an die Lösung der konkreten Lebensaufgaben
heranzutreten im Begriffe steht, die Verpflichtung, soviel an
ihm liegt, an dem moralischen Fortschritte der Menschheit mitzu-
arbeiten in der Überzeugung, dadurch für den Weltzweck selbst
zu wirken, indem er sich als den Träger einer höheren Idee em-
pfindet , geradezu als den Vollstrecker eines göttlichen Willens.
So den zur Reife gelangten Menschen zum Verständnisse des
Evolutionismus in der Ethik führen, das birgt keine Gefahr in
sich; nur dem unentwickelten Bewufstsein gegenüber wäre es be-
denklich. Aber gerade bei dem Menschen, der seine Kräfte zu
selbständiger Arbeit zu brauchen sich anschickt, wirkt der Ge-
danke, dafs auch die sittliche Erkenntnis beständig fortschreitet,
die sittliche Lebensführung stetig sich verfeinert, die Sittengebote
immer vollkommener werden, erhebend auf das Herz, indem dieser
Gedanke dem Menschen den Prospekt zu einem künftigen edleren,
besseren und höherstehenden Menschengeschlechte eröffnet.
Aber mit den angeführten Unterrichtsgegenständen kommen
wir noch nicht aus. Alle Kultur, so lehrt die Wissenschaft,
wurzelt in der Natur; das höhere, das Kulturleben baut sich auf
dem niederen, dem Naturleben auf. Je tiefer die Menschen in
das Wesen der Natur eindringen, je mehr und je besser sie die
in ihr waltenden Kräfte kennen und verstehen, beherrschen und
in ihren Dienst zwingen lernen, um so höher .steigt ihre Kultur in
jeder Hinsicht, um so mehr verfeinern sich die Erscheinungsformen
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