Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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482 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
sich selbst zu sprechen, hat erst dann Sinn, wenn man über die
Pflichten gegen andere im klaren ist: jene bestehen ja nur, weil
diese vorhanden sind. Darum hat beim Moralunterrichte die
Sozial- der Individualethik voranzugehen. Die ersten drei Jahre
des Vorkurses werden demnach dazu verwendet werden müssen,
den Zögling in elementarer Weise in das Verständnis der hohen
Bedeutung der sozialen Tugenden und der Pflichten gegen seine
Nebenmenschen einzuführen, während im letzten Jahre des Vor-
kurses von den Individualtugenden und den Pflichten gegen sich
selbst zu handeln ist. Aber der Moralunterricht darf sich nicht
nur mit der Herausbildung einer altruistischen Vorstellungsweise
begnügen, sondern er mufs die heranwachsende Jugend noch weiter
führen, was namentlich Aufgabe des Hauptkurses ist, der auch
das Verständnis dafür zu erschliefsen hat, dafs die sozialen Fragen
und Probleme letzten Endes ebenfalls sittliche, nämlich im höheren
Sinne, sind und weshalb. Wie wir wissen, ist ja ein Sittliches
im engeren oder niederen und ein solches im weiteren
oder höheren Sinne zu unterscheiden. Das Sittliche im höheren
Sinne bezieht sich auf die Förderung der Kultur, das Sittliche im
niederen Sinne, in dessen Diensten stehend, hat es mit der mensch-
lichen Wohlfahrt zu thun. Anderen helfen und beistehen findet
unsere sittliche Billigung, aber nicht etwa um der daraus resul-
tierenden Lust- oder Glücksgefühle willen, sondern wegen der
daraus erwachsenden erhöhten Leistungsfähigkeit zur Anteilnahme
an der Kulturarbeit. Unser Urteil über den sittlichen Wert oder
Unwert der Menschen bemifst sich ja nicht nach dem Glücke, das
sie genossen oder entbehrt, sondern nach dem, was sie für die
Kulturentwickelung geleistet haben: das Glück kommt nur als
Begleiterscheinung und als anregendes Motiv in Betracht.
Nach Lust und Leid, das heifst nach Begleitzuständen und Neben-
sachen den Wert der Dinge messen; solche Denkweisen sind Vorder-
grunds-Denkweisen und Naivetäten. Somit hat der Moralunter-
richt die Mission zu erfüllen, die Jugend zu der Einsicht zu führen,
dafs der höchste Zweck sittlichen Thuns nicht darin be-
steht, dem Nächsten Gutes zu thun, sondern in der För-
derung des Kulturfortschrittes, wenigstens in der An-
teilnahme an der Kulturarbeit. Das schöne Nietzsche-
Zarathustra-Wort: „Höher als die Liebe zum Nächsten steht
die Liebe zum Fernen und Künftigen", mufs der Heranwachsende
in seiner ganzen Tiefe und Wahrheit begreifen lernen. Hier kann
dann auch ganz am Ende der Erziehungsperiode die religiöse Be-