Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
jedoch schliefslich so grofs, so übertrieben, so raffiniert, laufe in
eine so feine Spitze aus, dafs diese sich umbiege; dafs also ein
Rückschlag eintrete. Demnach gestalte sich die moralische Ent-
wickelung in der Weise, dals sie einen Kreis, einen Zyklus durch-
laufe. Man nennt diese Hypothese deshalb die zyklische. Andere
wieder meinen, mit hoher intellektueller Kultur paare sich not-
wendigerweise moralische Verkommenheit. Diese Degenerations-
Hypothese finden wir bei Schopenhauer und schon vorher
bei Rousseau. Noch andere, so Paulsen, vertreten die An-
sicht, dafs wohl fort und fort neue Tugenden entstehen; dafs
denselben aber auch beständig sich neu bildende Laster die Wage
halten; dafs wohl, anders ausgedrückt, die Schwankungen um
den Null-, den moralischen IndiiFerenzpunkt gröfser werden, die
Summe der Tugenden und Laster jedoch stets dieselbe, immer
gleich Null bleibe, wenn man Tugenden und Laster als positive
und negative Gröfsen auffafst und addiert; dafs also weder ein
Fortschritt noch ein Rückschritt letzten Endes zu verzeichnen sei,
sondern eigentlich und wesentlich alles bleibe, wie es von jeher ge-
wesen. Alle dem gegenüber möchte ich darauf hinweisen, dals sich
doch wohl ein freilich nur sehr allmählich sich vollziehender, ein
nur im grofsen und ganzen bemerkbarer sittlicher Fortschritt fest-
stellen lässt. Als Kriterien für diese Annahme betrachte ich die
folgenden: 1. Die isolierte historische Entwickelung ist in der Ab-
nahme begriffen, im grolsen wie im kleinen. Die bewussten
Abhängigkeitsbeziehungen von Volk zu Volk, von Individuum zu
Individuum werden stets engere, wohingegen sich das instinktive
Zusammengehörigkeits-Gefühl der Menschen infolge der zunehmen-
den Expansion der Stämme und Völker unaufhaltsam vermindert
hat und noch zusehends vermindert. 2. Die Machtsphäre des
Staates in sozialer Hinsicht erweitert sich beständig. 3. Die Be-
ziehungen der Staaten zu einander sind durch das immer mehr
sich entwickelnde Völkerrecht mehr oder weniger fest normierte
geworden. Ja, wir können heutzutage nicht nur von einem inter-
nationalen Zivil-, Handels-, Straf- und Prozess-Recht, sondern
auch von internationalem Privat-Recht sprechen; hat doch der
Oberlandesgerichtsrat Böhm in Nürnbergim Jahre 1893 eine ^lu*
Zeitschrift für internationales Privat- und Strafrecht gegründet,
und Professor F. Meili äufsert in seinem Werke „Geschichte und
System des internationalen Privatrechtes im Grundriss" die Ansicht,
dafs das internationale Privatrecht die Mission habe, die gesamte
Jurisprudenz zu verjüngen. — Mit dem allen ist der Beweis für