Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 53. Die Auswahl und Anordnung der Unterrichtsstoffe. 479
um die, durch diese Thatsachen-Reihen hindurchlaufenden und sie
zusammenhaltenden Fäden aufzufinden. Und indem die Wissen-
schaft die so gewonnenen Resultate wieder miteinander ver-
gleicht, entdeckt sie endlich den Zusammenhang, der zwischen
allem, was ist, zwischen allem Geschehen besteht, und entwirft
uns nun ein Bild des sinnvollen Gefüges der Wirklichkeit. An
der Hand dieser Darstellung vermögen wir uns in der Wirklich-
keit rasch und leicht zurechtzufinden, indem wir sie auf solche
Weise begreifen lernen. Freilich das volle Verständnis für das
Leben und seine Aufgaben geht uns immer erst dann auf, wenn
wir inmitten seines Getriebes selbst stehen, aber doch eben auf
Grund jenes Wissens davon. Wer das Leben lebt, ohne jenen
Leitfaden mitbekommen zu haben, dem erscheint es als ein mehr
oder weniger wüster Traum, wenn er nicht überhaupt stumpf und
dumpf dahinlebt wie ein Tier. Darum hat der Unterricht dafür
Sorge zu tragen, dafs die heranwachsende Generation verständ-
nisvolle Einsicht in das Gefüge der Wirklichkeit, des
Lebens gewinne; darum mufs das Leben erst durch das Medium
der Wissenschaft, allerdings in populärem Gewände, an die Men-
schen herantreten, ehe sie es selbst kennen lernen.
Wie das Leben vielgestaltig so ist die Wissenschaft viel-
gliederig; der Unterricht mufs somit eine grofse Mannigfaltigkeit
von Gegenständen umfassen. Einige derselben ergeben sich aus
dem Uber den Begriff der Kultur Gesagten schon ganz von selbst,
nämlich Staats- und Wirtschaftslehre nebst rechtskundlichen Be-
lehrungen, Religions- und Moralunterricht. Die staats-, rechts-
kundlichen und wirtschaftlichen Belehrungen fasse ich unter dem
Ausdrucke Gesellschaftskunde zusammen. Der Zweck dieses
Unterrichtes besteht darin, die Schüler in weit eingehenderer
Weise mit der sozialen Entwickelung ihres Volkes und über-
haupt der Kulturwelt bekannt zu machen, als dies bisher im
grofsen und ganzen geschehen ist. Und damit das wirklich
überall streng durchgeführt werde, verlange ich für die geseU-
schaftskundlichen Belehrungen die Stellung eines besonderen Unter-
richtsfaches. Werden diese Belehrungen dem freien Ermessen des
Lehrers anheimgestellt und wird es ihm überlassen, wo und wie
und wann er sie in den Unterricht einstellen will, so kommen sie
erfahrungsmäfsig sehr oft zu kurz weg und fallen gar nicht selten
überhaupt ganz unter den Tisch. Nun giebt es freilich noch
immer auch solche Pädagogen, welche das nicht bedauern, die
da auf dem Standpunkte stehen, all dergleichen Belehrungen seien