Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
478 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
solcher so gehört dazu ferner, dafs er um diese Aufgaben weifs,
sie kennt, mit ihnen vertraut ist. Diese Kenntnis erwirbt der
Mensch durch Erfahrung; da die sich selbst überlassene Erfahrung
aber nur sehr langsam zum Ziele führen, zudem die so erworbene
Kenntnis mangelhaft sein würde, mufs sie eben künstlich unter-
stützt und gefördert werden durch die Belehrung, den Unterricht.
Für die Auswahl der Gegenstände des Unterrichtes folgt
daraus, dafs sie den ganzen Kreis des jeweiligen Kultur-
lebens umfassen müssen, und dafs aufserdem, da die je-
weilige Kultur stets geschichtlich bedingt ist, eine Dar-
stellung des Werdeganges der Kultur geboten, die Ge-
schichte berücksichtigt werden muls.
Bei der Festsetzung der einzelnen Gegenstände der Belehrung
mufs demnach von der Analyse des Begriffes Kultur aus-
gegangen werden. Wir wissen, dafs unter Kultur die Summe
aller Formen zu verstehen ist, in denen das Leben des Menschen-
geistes seinen Ausdruck findet, und dafs somit die verschiedenen
Zweige der Kultur sind: Staat, Recht, Wirtschaft; Religion, Moral,
Sitte; Wi.ssenschaft und Kunst. Von allen diesen Zweigen kann
für die Belehrung unmittelbar natürlich nur die Wissenschaft in
Betracht kommen, was auch vollkommen genügt, da die Wissen-
schaft sich über den ganzen Kreis des Kulturlebens erstreckt
und alle seine einzelnen Erscheinungsformen in sich zusammen-
fafst. Selbst blofs eine dieser Formen, besitzt die Wissenschaft
dennoch die Fähigkeit hierzu, indem sie das ganze Leben intel-
lektualisiert: sie geht gleichsam beständig neben dem Leben
her, eifrig bemüht, seinen Sinn zu erfassen, die vielfach ver-
schlungenen, scheinbar regellos durcheinander laufenden Fäden,
die es fort und fort spinnt, zu entwirren, zu sortieren, zu ordnen.
Einem gewissenhaften Porträtisten gleich studiert sie sorgfaltig das
Antlitz des Lebens mit seinem Wechsel vollen Mienenspiel und sucht
die charakteristischen Züge festzuhalten und darzustellen. Ohne
Bild: die Wissenschaft ist emsig bestrebt, dem Gange des Lebens
aufmerksam zu folgen und seine vielfachen Bildungen zu erklären,
ihre Ursachen, ihre Zweckmäfsigkeit, ihre Wirkungen aufzuzeigen.
Sie erreicht dieses Ziel dadurch, dafs sie das Thatsächliche fixiert,
das Thatsachenmaterial, welches sie unaufhörlich durch neue Be-
obachtungen vermehrt, mit Hilfe der vergleichenden Methode
sichtet, schematisiert und systematisiert und so schhefslich zu
einer Anzahl wohlgeordneter Thatsachen-Reihen gelangt, inner-
halb deren sie abermals die Methode der Vergleichung anwendet.