Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
476 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
Wesenszüge einer Sitte, eines Brauches, einer Gewohnheit festzu-
stellen, genügt es nicht, diese Dinge an zwei oder drei Völkern
zu studieren, sondern man muls eine sehr grofse Anzahl von
Nationen heranziehen, ganz genau bei jedem einzelnen Volke
sich darüber orientieren und dann die Ergebnisse dieser vielen
Sonderbetrachtungen miteinander vergleichen: da erhält man das
Allgemeine; da stöfst man endlich erst auf das wahrhaft Be-
stimmende, die eigentlichen Ursachen. Die Geschichte soll den
Schülern den zwar allmählichen und langsamen, aber stetigen Fort-
schritt der Menschheit und ihrer Kultur vor Augen führen; das
ist doch gar nicht möglich aufser durch Vergleichung der Ereignisse,
der Erfindungen und Entdeckungen, der wissenschaftlichen und künst-
lerischen Leistungen, der sozialen Verhältnisse, der Arten der Lebens-
führung langer Epochen, also am Ende vieler ausführlicher Einzel-
betrachtungen, etwa gegen Semester- oder Schuljahrsschlufs hin.
Eine derartige Anwendung der in der Wissenschaft heutzutage all-
gemein geltenden vergleichenden Methode auf den Schulunterricht
ist allein wertvoll; die Vergleichungen, wie sie die Herbartianer
in ihren Unterrichtsskizzen empfehlen, sind nichts weiter als Zeit-
verschwendung. Welche Bedeutung soll es denn z. B. haben,
wenn im siebenten Bande der „Theorie und Praxis des Volks-
schulunterrichts' gelegentlich der Geschichte des Columbus für
die Assoziationsstufe u. a. empfohlen wird: „Die letzten Jahre des
Columbus verglichen mit den ersten Zeiten seines Triumphes"!
Wird dadurch das historische Verständnis der Schüler, ihr ge-
schichtlicher Sinn irgendwie gefördert? Gewinnen sie dadurch
eine tiefere Einsicht in den Werdegang, in die Entwickelung des
menschlichen Lebens? Kann daraus eine tiefe allgemeine Erkennt-
nis abgeleitet werden? Höchstens doch der banale und erfahrungs-
mäfsig gar nicht einmal allgemeingiltige Satz, dafs Undank der
Lohn für grofse Thaten sei. Dann sollen die Gründe für die einzelnen
Reisen und die Erfolge derselben miteinander verglichen werden.
Ich wiederhole alle eben gestellten Fragen. Das alles ist ja völlig
wertlos ebenso wie die sonstigen vorgeschlagenen Vergleichungen,
z. B. „Vergleich zwischen dem König von Portugal und dem
König von Spanien" oder „Vergleich zwischen Columbus und dem
IndianerfürstenÜber solche müssigen Spielereien ist kein
anderes Urteil, als das gefällte möglich: Zeitvergeudung! Das-
selbe gilt bezüglich der im geographischen Unterrichte angeord-
neten Vergleichungen, wenn da z. B. nach der Besprechung
Skandinaviens und Dänemarks verlangt wird ein Vergleich von