Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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30 Teil. Die pädagogiselien Grundbegriffe.
Erlöschen der ersten Begeisterung jedoch macht sich eine ge-
wisse Ängstlichkeit geltend, ein gewisses furchtsames Unbehagen
in den neuen Verhältnissen, die man selbst geschaffen hat: die
Reaktion tritt ein. Der grofse zuvor gethane Schritt wird, teil-
weise wenigstens, wieder zurückgethan, um dann in lauter kleinen
Schritten noch einmal vollzogen zu werden. Den Wechsel von
Aktion und Reaktion ersehen wir ferner auch aus Folgendem sehr
deutlich. Wenn etwa die Naturwissenschaft einmal im Vorder-
grunde des Interesses steht, so schliefsen sich ihr die bedeutendsten
Köpfe an. Die einseitige Herrschaft einer Wissenschaft führt aber
zur Vernachlässigung der anderen Seiten des wissenschaftlichen
Erkennens; dadurch entstehen Lücken und Mängel. Die Kritik
der vernachlässigten Wissenschaften regt sich endlich und wagt
sich kühner und immer kühner hervor, bis diese schliefslich wieder
zur Herrschaft kommen oder doch die nämliche Bedeutung wie
die eben herrschende Wissenschaft erlangen. Wir können diesen
Prozefs ja in der wissenschaftlichen Entwickelung des 19. Jahr-
hunderts sehr genau verfolgen. Die Geisteswissenschaften, im be-
sonderen die Philosophie, waren in dem zweiten Drittel des 19.
Jahrhunderts gänzlich hinter den Naturwissenschaften zurückge-
treten. Sie haben dann im letzten Drittel endlich wieder ange-
fangen, sich emporzuarbeiten und stehen jetzt den Naturwissen-
schaften gleich geachtet an der Seite. Ja, man kann sogar be-
obachten, dass sie sich alle nur erdenkliche Mühe geben, um die
erste Stelle zurückzuerobern. Jedoch wird das ihnen wohl kaum
gelingen; höchstens dürften sie einen kurzen Moment-Triumph zu
verzeichnen haben. Die Möglichkeit dauernden EinrUckens des
naturwissenschaftlichen Elementes in die zweite Stelle ist man
wohl für Gegenwart und Zukunft als unbedingt ausgeschlossen
anzunehmen berechtigt. Die Geisteswissenschaften können hinfort
nur noch neben den Naturwissenschaften und von diesen befruchtet
gedeihen. Das gilt vor allem auch gerade von der Philosophie;
sofern dieselbe die Naturwissenschaften vornehm übersieht, sinkt
sie zur blofsen Karikatur und lächerlichen Hanswurstiade herab,
wofür die Elaborate sovieler metaphysisch - idealistischer Konfu-
sionarii, sogenannter Ideal - Philosophen, und deren Schüler un-
widerlegliche und drastische Beweise liefern.
Was den Fortschritt in sittlicher Beziehung betrifft, so ist
derselbe stets von vielen geleugnet worden. Manche, zu denen
u. a. Macchiavelli gehört, behaupten, es finde hier nicht ein
Fortschritt, sondern nur eine Verfeinerung statt. Dieselbe werde