Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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466 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
welche in freier Ausdrucksweise, ohne dafs der Schüler zu sehr an
den Wortlaut gebunden ist, zu erfolgen hat. So ergiebt sich für
den Gang des Unterrichtes folgendes formales Schema:
1. Hervorrufen der Erwartung ■— mehr oder weniger be-
stimmte Ankündigung.
2. Befriedigung der Erwartung — Darbietung des Neuen,
unter Umständen nach einer kurzen Vorbesprechung.
3. Einprägung ins Gedächtnis — Wiederholung des Dar-
gebotenen und Zusammenfassung seines Inhaltes in einem
kurzen, prägnanten Satze durch die Schüler.
§ 52.
Ich habe jetzt noch Kritik an der Formalstufen-Theorie
der Herbartianer zu üben. Zunächst will ich einmal mein
Schema ganz allgemeinhin mit demjenigen der Herbartianer ver-
gleichen. Die allerdings aufserhalb der eigentlichen Formalstufen
stehende „Zielangabe" ist, weil wirklich erforderlich, beibehalten
worden: es entspricht ihr in meinem Schema die „Ankündigung",
von den Formalstufen selbst aber blofs die „Darbietung", die ja
natürlich auf keinen Fall entbehrlich ist, die „Vorbereitung" nur
unter Vorbehalt. Alles andere ist weggefallen und an seine Stelle
die „Wiederholung" getreten. Aber auch in dem, was in beiden
Schematen gleichsteht, ist die Übereinstimmung nicht eine völlige,
sondern nur eine annähernde. Vor allem besteht ein immanenter
Unterschied darin, dafs die Herbartianer eine gebundene Marsch-
route vorschreiben, während ich der Freiheit, dem Takte des
Lehrenden einen weiten Spielraum lasse. Mein Schema soll nicht,
wie die Formalstufen, ein Panzerhemd, sondern ein weites loses
Gewand sein, eine Richtschnur im grofsen und ganzen. Eine
solche ist allerdings nötig; aber im übrigen herrsche nach
Möglichkeit, freilich psychologisch wohl begründete, Freiheit.
An Stelle der papiernen, sklavisch an die Vorschriften dieses
oder jenes Lehrbuchs der Pädagogik sich haltenden Lehrer sollen
die freien Lehrkünstler treten. Die Pädagogik ist eine Wissen-
schaft und eine Kunst, das gilt für sie im ganzen wie für
ihre einzelnen Teile, also auch für den Unterricht. Und sofern
derselbe eine Kunst ist, mufs er von Künstlern gehandhabt werden.
Ein jeder Künstler aber hat seine eigene Manier, seinen eigenen
künstlerischen Takt, und er soll und mufs ihn haben, der Künstler
in der Schulstube sogut wie der im Atelier, am Arbeitstisch, am
Instrument. Beethoven hat eine andere Weise als Wagner, Böcklin