Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 50. Das formale Unten-ichtsschema. 4o3-
Endlich mufs ich noch einen Grund, der für das entwickelnd-
darstellende Verfahren ganz im allgemeinen immer wieder geltend
gemacht wird, widerlegen. Man sagt nämlich, dafs dadurch die
Selbstthätigkeit der Schüler in hohem Grade angeregt werde,
die Schüler zum Selbstfinden angeleitet werden. Dabei kommt
zunächst alles darauf an, was man unter Selbstthätigkeit eigent-
lich versteht. Wir ersehen das aus dem Unterschiede, den man
zwischen dem entwickelnd - darstellenden und dem mitteilenden
Unterrichtsverfahren macht. Dort setzt der Schüler aus dem Vor-
rate seiner Erinnerungsvorstellungen einen Gegenstand selbst zu-
sammen; hier nimmt er denselben einfach auf. Nun kann doch
aber niemand bestreiten, dafs der Schüler, wenn er sich auch blofs
aufnehmend verhält, ebenfalls selbsttbätig ist. Das Erfassen des
ihm Dargebotenen ist eine Arbeit, die er ohne Zweifel selbst voll-
zieht, und er leistet damit eine recht tüchtige Arbeit; denn er
bedarf dazu angespannter Aufmerksamkeit, und Aufmerksamkeit
ist geistige Arbeit in eminentem Grade. Das wissen wir ja alle
aus eigenster Erfahrung, und immer wieder können wir uns von
der Richtigkeit dessen bei der Lektüre irgend eines Buches, dem
Anhören eines Vortrages überzeugen. Also die Selbstthätigkeit
ist bei beiden Unterrichtsverfahren vorhanden; damit läfst sich
gar kein Unterschied begründen. Aber vielleicht ist beim ent-
wickelnd-darstellenden Unterrichte die Selbstthätigkeit doch reger
infolge der dabei eine so grofse Rolle spielenden Phantasiethätig-
keit. Auch das ist nicht der Fall. Bei dem mitteilenden Unterrichts-
verfahren wird die Phantasie des Schülers ebenfalls in Mitleiden-
schaft gezogen, sogar in recht starke. Wir brauchen wieder nur
an uns selbst zu denken. Bei der Lektüre eines Buches, bei dem
Anhören eines Vortrages ist unsere Einbildung fort und fort be-
schäftigt, das, was wir lesen oder hören, uns weiter auszumalen,
uns die Persönlichkeiten, die Situationen, die Dinge, um welche
es sich handelt, plastisch vor Augen zu stellen, sodafs wir zu er-
leben glauben, was wir in Wirklichkeit nur hören oder lesen.
Aber noch einen Einwand gilt es zu entkräften. Man sagt, das
entwickelnd-darstellende Verfahren mache den Schülern mehr
Freude; man sehe es an ihren hellen, glänzenden Augen, man
merke es an ihrer Beweglichkeit und Regsamkeit. Nun, dieselbe
Erfahrung habe ich auch mit dem mitteilenden Unterrichte gemacht;
das hängt nicht von dem Unterrichtsverfahren an sich ab, sondern
von der Geschicklichkeit, dem pädagogischen Takte des Lehrenden.
Ein geschickter Lehrer kann glänzende Augen sehen sowohl bei