Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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462 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
Behandlung ist, die Sache wesentlich anders als beim geschicht-
lichen, geographischen und naturkundlichen Unterrichte. Ander-
seits darf aber auch das nicht übersehen werden, dafs das Gedicht,
wie es nun einmal ist, wie es vom Dichter gedichtet worden ist,
ebenfalls eine Gegebenheit ist, die der Schüler doch als solche
kennen lernen mufs, wenn er dabei ästhetische Freude empfinden
soll. Es fragt sich nun, was besser sei, dem Schüler das fertige
Phantasiebild zu geben oder ihn es selbst finden zu lassen. Das
letztere ist nach Meinung der Fürsprecher des entwickelnd-dar-
stellenden Verfahrens durchweg vorzuziehen aus folgenden Grün-
den. Wegen der Enge der Aufmerksamkeit (nicht des Bewufst-
seins , wie man gewöhnlich sagt) sei ein gleichzeitiges Erfassen
von Inhalt und Form des Gedichtes kaum oder gar nicht mög-
lich, und ferner wird geltend gemacht, dafs die, der Darbietung des
Gedichtes folgende Besprechung langweihg sei und zu einer Zer-
stückelung des Gedichtes führe. Was den ersten Punkt betrifft, so
ist Folgendes zu sagen. Durch das entwickelnd-darstellende Ver-
fahren wird stets nur eine rohe Skizze des Inhalts eines Gedichtes
gewonnen, dieser ragt darüber noch immer ein beträchthches
Stück hinaus. Auch auf diese Weise wird also beim nachfolgen-
den Lesen des Gedichtes die Erfassung eines zum Teil wenigstens
Zweifachen der Aufmerksamkeit der Schüler zugemutet. Allzu
schwer wiegt dieser erste Grund also nicht. Was die beiden an-
deren Gründe anlangt, so erkenne ich deren volle Beweiskraft da-
gegen gerne an, d. h. insofern als sie dazu veranlassen müssen,
das Zerpflücken des Gedichtes und das langweilige, nachhinkende
Erklären und Besprechen zu vermeiden. Das einzige Mittel, dies
zu erreichen, ist aber keineswegs der entwickelnd - darstellende
Unterricht; der Lehrer kann auch selbst, ehe das Gedicht den
Schülern vorgelegt wird, den Inhalt desselben erzählen. Dieses
Verfahren möge er mit dem entwickelnd-darstellenden abwechseln
lassen. Wenn dann, nachdem der Inhalt eines Gedichtes so oder
so gewonnen worden ist, das Gedicht selbst den Schülern dar-
geboten wird, so mufs alles weitere Besprechen wegfallen und
auch alles nochmahge Erzählen seines Inhaltes. Wer das zulälst,
der vernichtet ja wieder den gewünschten Erfolg; der zerstört ja
doch den Eindruck des Schönen wieder und beschwört die Geister
der Langenweile herauf, zerpflückt und zerstückt das Kimstwerk. Das
Einzige, was dann noch unter Umständen zu geschehen hat, das
ist dies, dafs der Lehrer auf etwaige Fragen der Kinder diesen
oder jenen Ausdruck kurz erläutert.