Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
§ Sl. Das formale ünterrichtsschema. 461
aber die neue Erscheinung muls alsdann den Schülern ohne
weiteres dargeboten werden, sei es im Bilde oder durch eine
lebensvolle Schilderung — aus demselben Grunde, den ich geltend
machte, als ich von der Behandlung fremder Naturprodukte sprach.
Auch in der Erdkunde darf man eben über dem Typischen nicht
das Individuelle übersehen. Sehr oft wird man überhaupt gar
nicht von einer bekannten Erscheinung, einem bekannten Gebilde
ausgehen können: man denke an die Besprechung tropischer Land-
schaften, von Wüstengegenden u. a. m. Ich möchte wohl wissen,
wie man da ohne jeglichen Anhaltspunkt das entwickelnd-dar-
stellende Unterrichtsverfahren anwenden könnte. Ohne Zweifel
werden seine Vertreter, die Herbartianer, sagen, wir haben einen
so gut durchdachten Lehrplan, dafs derartige Besprechungen immer
erst dann eintreten, wenn aus den anderen Unterrichtsfächern be-
reits eine genügende Menge dem Neuen entgegenkommender Vor-
stellungen vorhanden sind. Zugegeben; auch ich will in der
Schule nicht mit der Thür ins Haus fallen und ohne weiteres
den Schülern ein neues Gericht vorsetzen auf die Gefahr hin,
dafs sie es nicht gehörig verdauen, sondern sich recht gründlich
damit den Magen verderben. Aber glaubt man denn wirklich,
dals es möglich sei, dafs die Schüler jenes Gericht, um im Bilde
zu bleiben, aus den Brocken, die ihnen der bisherige Unterricht,
ferner vielleicht noch Lektüre und Gespräche an die Hand gegeben
haben, selbst schmackhaft zubereiten können? Sicherlich nicht;
schmackhaft heifst in diesem Falle nicht blofs verständlich, son-
dern auch dem Gegebenen, Thatsächlichen entsprechend. Für die
Möglichkeit des verständnisvollen Auffassens eines Neuen soll ge-
wifs der bisherige Unterricht sorgen; das Neue selbst aber mufs
dann dargeboten werden, wenn es wirklich ein naturgetreues Bild
sein soll, und nur auf ein solches kommt es an, nicht auf ein an-
näherndes Phantasieprodukt, das stets auch dann noch prävaliert,
wenn hinterher den Schülern die Wirklichkeit vorgeführt wird.
Einzig und allein im litterarischen Unterrichte, bei der
Behandlung von Gedichten kann das entwickelnd - darstellende
Unterrichtsverfahren bisweilen angewendet werden, um nämlich
mehr Abwechselung in den Unterrichtsbetrieb hineinzubringen und
um dem Schüler Gelegenheit zu geben, sich auf diesem Gebiete als
produktiven und phantasievollen Kopf zu zeigen; denn die Poesie
ist dazu ja sehr wohl geeignet. Sie ist wie die Kunst überhaupt der
Tummelplatz der Phantasie; das Thatsächliche ist hier Nebensache.
Somit liegt, wenn ein Gedicht Gegenstand der unterrichtlichen