Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
Zunahme der Möglichkeit, die Probleme fort und fort tiefer zu
fassen. Die Probleme selbst bleiben selbstverständlich die näm-
lichen, wie ja die menschliche Natur trotz aller Verfeinerungen
letzten Endes immer die nämliche bleibt; wie das Leben, das die
Probleme dem Menschen aufgiebt, stets das nämliche bleibt. Dafs
der Mensch stets gut sein und gut handeln soU, das wird zu allen
Zeiten verlangt; das ist von jeher gefordert worden. Und ebenso
ist der Missethäter in der Vergangenheit gestraft worden, wie er
auch noch in der Gegenwart gestraft wird. Aber die Frage nach
dem, was gut oder böse ist, warum das Gute gethan, das Böse
unterlassen werden soll, diese Fragen sind fortschreitend eingehen-
der erörtert worden, die Antworten darauf haben beständig an
Tiefe und Gründlichkeit zugenommen. Wir lieben und hassen,
lachen und weinen, hoffen und zagen heute noch ganz ähnlich so,
wie die Menschen von einst geliebt und gehafst, gelacht und ge-
weint, gehofft und gezagt haben. Aber woher diese Gefühle und
ihre äufserlichen Merkmale kommen, welche^ ihre physiologischen
und psychologischen Grundlagen sind, weshalb sie sich einstellen und
einstellen müssen, auf diese Fragen vermögen wir heutzutage weit
genauere Antworten zu geben als unsere Vorfahren. Dafs die
Kinder ihren Eltern ähnlich sehen, dafs jegliche Art der Arbeit
und Anstrengung ermüdet, das alles wufste man früher so gut wie
Jetzt. Die indischen und die griechischen Philosophen waren sich
ebenso wie wir bereits darüber klar, dafs die Welt des Bewufst-
seins sehr verschieden ist von der Bewufstseins-transzendenten, der
äufseren Welt. Aber wie kindlich erscheinen uns die ehemals ver-
suchten Lösungen dieser Probleme. Welche Wandlungen hat das
Problem der Apperzeption im Laufe der Zeit durchgemacht; wie
hat die Auffassung und Erklärung dieses psychologischen Vor-
ganges an Tiefe und Gründlichkeit zugenommen, wie wir dies
wahrnehmen, wenn wir es von seinem erstmaligen Auftauchen bei
Piaton in dem mystisch-metaphysischen Begriff der dvajuvi]Ois bis
auf die Deutungen eines Wundt, Avenarius u. a. verfolgen. —
Freilich kann aber auch das nicht geleugnet werden, dafs neben
allem Fortschritt in intellektueller Beziehung ebenfalls ein Gesetz
der Reaktion in der Entwickelung wirksam ist; dafs somit aller
Fortschritt in dem beständigen Wechsel von Aktion und Reaktion
vor sich geht. Man denke daran, dafs aller politische und soziale
Fortschritt in dieser Weise sich vollzieht, desgleichen der religiöse.
Fortgerissen durch hervorragende Geister und gewaltige Thaten
thun die Menschen einen grofsen Schritt nach vorwärts; mit dem