Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 50. Das formale Unten-ichtsschema. 4o3-
erhobenen Forderung, nach Möghchkeit in der Geschichte, Geo-
graphie, Naturkunde und im litterarischen Unterricht das Ver-
fahren des entwickelnd-darstellenden Unterrichtes anzu-
wenden. Dieses Verfahren ist vielmehr in blofs sehr beschränktem
Umfange brauchbar; es kommt nämlich nur bei der Behandlung
von Gedichten in Betracht. Natürlich ist es, Tbatsächliches zu
bieten, nicht aber die Schüler es mühsam konstruieren zu lassen.
Was den Geschichts-Unterricht zunächst anlangt, so handelt
es sich hierbei durchaus um die Erfassung von Thatsachen, von
Gegebenheiten. Thatsachen die Kinder selbst finden lassen, die
Zöglinge anhalten wollen, die geschichtlichen Ereignisse von sich
aus zu rekonstruieren, von sich aus Bilder von deren Trägern, wo-
möghch feine, intime Bilder, in denen die Motive ihrer Hand-
lungsweise zum Ausdrucke kommen, zu entwerfen, das heifst, die )
Schüler zu dem WirkKchen abgekehrten, um die Wirklichkeit sich i«
nicht kümmernden zügellosen Phantasten machen, sie zum Raten
und Phantasieren absichtlich anleiten. Die Schüler pflegen, wie
ich oft genug zu beobachten Gelegenheit hatte, bei solchem Vor-
gehen das Blaue vom Himmel herunter zu schwatzen. Auf diese
Weise gewinnen sie nicht Einblick in das geschichtliche Geschehen
mit seiner strengen Folgerichtigkeit, in den Entwickelungsgang
des menschlichen Geistes, sondern sie erhalten ein Zerrbild der
Geschichte, das die Züge ihres unreifen Denkens, ihrer ungeschulten
und willkürlichen Phantasie trägt.
In der Naturkunde soll der entwickelnd-darstellen de Unter-
richt im besonderen bei entfernten Naturdingen am Platze sein.
Im Anschlufs an Conrad wählt Foltz, einer der eifrigsten Ver-
fechter jenes Verfahrens, als Beispiel der Unterrichtsbetrachtung
die Olive. Das entwickelnd - darstellende Verfahren soll seinen
Ausgangspunkt von dem Vergleich mit der Pflaume nehmen. Das
heifst doch wirklich von Berlin nach Rom über Paris reisen.
Eine Olive in natura kann sich heutzutage sicherlich jeder Lehrer
verschaffen, wenn er im naturkundlichen Unterrichte dieselbe be-
handelt; oder wenn das einmal doch nicht möglich sein sollte, so
giebt es ja Abbildungen, von denen man ausgehen kann. Auf
die Weise, wie Foltz und Conrad die Sache anfassen, kommt
man, um in dem gebrauchten Bilde zu bleiben, überhaupt nicht
nach Rom, sondern höchstens in die Nähe. Wäre die Pflaume der
Olive auch noch viel ähnlicher, als sie es in Wahrheit ist, so
würde aus diesem Vergleiche der Schüler niemals ein getreues
Bild gewinnen, wie die Olive thatsächlich aussieht. Und auch