Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 50. Das formale Unten-ichtsschema. 4o3-
raassen fehlt, gehen in kurzer Zeit wieder verloren. Es mufs dem
Neuen, wenn es behalten werden soll, ein Anhaltspunkt gegeben
werden: durch die Klarheit der Apperzeption und den Reichtum
der Assoziation wird jeder neue Gegenstand fest in die Bedingungen
unseres Denkens eingeordnet, und wo Anlass ist, diese Bedingungen
zu reproduzieren, wird der betr. Gegenstand alsdann bewufst oder
unbewufst miterregt. Jede solche Erregung vertritt aber die Stelle
einer Wiederholung. Es berührt sich dies aufs engste mit dem,
was ich darüber sagte, dafs nur Verstandenes gelernt werden soll.
Dafs der Gefühlswert eines Reizes nicht unwichtig ist, das erhellt
aus der Erfahrung, welche lehrt, dafs z. B. Physiognomien sich
leichter einprägen, wenn sie durch irgendwelche besonderen Züge
uns sympathisch oder antipathisch berühren, während wir alltäg-
liche Gesichter, die uns gleichgiltig lassen, schnell wieder vergessen.
Die Bedeutung dieses Gefühlswertes besteht in Folgendem. Wenn
ein Reiz so auf uns wirkt, dals er lebhafte Lust- oder Unlust-
gefühle in uns erregt, so sind wir mit ganzer Seele, mit voller
Aufmerksamkeit bei der Sache und zwar ganz unwillkürlich.
Endlich mufs dem Lehrer die Beachtung individueller
Verschiedenheiten ans Herz gelegt werden. Das gilt natürlich
nicht blofs betreffs des Gedächtnisses, sondern mit Bezug auf
alle psychischen, für den Unterricht in Betracht kommenden Er-
scheinungen. So sind nicht aller Menschen Sinne gleich scharf;
daher ist nicht die sinnliche Anschauung aller Zöglinge die
gleiche. Namentlich die Unterschiedsempfindlichkeit ist sehr
verschieden bei verschiedenen Menschen; vornehmlich ergeben sich
hier, worauf ich schon einmal im allgemeinen hinwies, mannigfache
Verschiedenheiten zwischen dem männlichen und dem weiblichen
Geschlechte. Es hat sich bei vielfachen Versuchen herausgestellt,
dafs die Mädchen auf dem Gebiete des Farbensinnes eine etwas
feinere Unterschieds-Empfindlichkeit innerhalb der Grenzen des
beiden Geschlechtern gemeinsamen Gebietes besitzen als Knaben.
Wie weit eine besondere Feinheit in der Unterscheidung für eine
Farbe von einer besonderen Vorliebe für eben diese Farbe ab-
hängig ist, das läfst sich vorläufig noch nicht sagen; jedoch
ist eine solche Beziehung zwischen Unterschiedsempfindlichkeit
und besonderer Farben-Vorliebe immerhin leicht möglich. Inter-
essant ist das Ergebnis, das Barnes bei der Untersuchung von
fast 1000 kalifornischen Kindern fand, nämlich dafs die Mädchen
eine ausgesprochene Vorliebe für Rot und die Knaben eine solche
für Blau haben. Was den Gehörssinn betrifft, so sind die Knaben