Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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452 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
Präsenz des Wissens nennt, nämlich die Fähigkeit, im ge-
gebenen Augenblick leicht und sicher zu reproduzieren. Was wir
nicht reproduzieren können oder doch nicht gut, nur stockend
und bruchstückweise, das ist für unser Wissen verloren. Dabei
ist noch darauf zu achten, dafs das absichtliche Wiederholen ver-
schieden wirkt, je nachdem es unmittelbar hintereinander oder in
längeren Pausen geschieht. Bei Erlernung von 6 sinnlosen Reihen
hatten nach Ebbinghaus 68 unmittelbar aufeinander folgende
Wiederholungen denselben Erfolg wie 38 Wiederholungen in
Pausen; das Gedächtnis bedarf also der Erholung, und alles Aus-
wendiglernen mufs in Intervallen geschehen. Ferner bilden sich
beim Auswendiglernen auch zwischen dem in verschiedenen Gliedern
Entfernten, nicht blofs zwischen dem Beieinanderstehenden, Repro-
duktions-Assoziationen; jedoch nimmt die Festigkeit dieser asso-
ziativen Verknüpfung mit der Entfernung der Glieder voneinander
ab. Das ist ein Moment von Bedeutung für die Wiederholung einer
Reihe in umgekehrter und überhaupt ganz anderer Folge der Glieder.
Eine solche Wiederholung nimmt zwar mehr Zeit und Kraft in
Anspruch als diejenige der Reihe in der ursprünglichen Gliedfolge,
jedoch bedeutend weniger als das Neulernen. Jedenfalls trägt sie
sehr zur Befestigung des Lernstoffes bei und ist daher auch mit
Mafs anzuwenden; zudem wird durch eine solche Mannigfaltigkeit
der Wiederholungen Abwechselung in die Lernarbeit gebracht, und
diese Abwechselung erhält wieder die Aufmerksamkeit und das
Interesse der Schüler wach. Endlich ist darauf hinzuweisen, dafs bei
fortdauernden Wiederholungen nicht alle gleichwertig sind; vielmehr
vermindert sich im allgemeinen, namentlich bei einer Häufung von
Wiederholungen, ihr Wert zusehends: die Einprägung ins Ge-
dächtnis ist nicht proportional der Zahl der Wiederholungen. Die
Ursache dieser Erscheinung ist darin zu suchen, dafs gehäufte
Wiederholungen langweihg werden, somit ermüdend wirken und
die Aufmerksamkeit, welche für die Einprägung ins Gedächtnis
durchaus nötig ist, zerstreuen. Jeder kann ja, wenn er z. B. einen
Vortrag, eine Festrede u. dgl. memoriert, leicht die Erfahrung
machen, dafs das Lernen sehr langsam und schwer vonstatten
geht, wenn die Aufmerksamkeit, etwa durch starke Geräusche in der
Nachbarschaft, Klavierspielen, Singen u. a. m., abgelenkt wird.
Nicht minder wesentlich als die Aufmerksamkeit ist für die Ein-
prägung ins Gedächtnis die Schärfe der Apperzeption und der
Reichtum der Assoziation. Gelegentlich uns gebotene Wissensstoffe,
für die es an apperzipierenden Erinnerungen und Assoziations-