Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 50. Das formale Unten-ichtsschema. 4o3-
kindlichen Verständnisse angemessen, klar und deutlich ist. Dem
Gedächtnis das Festhalten unklarer, verschwommener Bilder und
unverstandenen Materials zumuten, das heilst, nutzlos Zeit und
Kraft vergeuden. Denn Unverstandenes, das dem Gedächtnis ein-
geprägt wird, verraucht sehr rasch wieder. Aufserdem hat sich
bei, von Ebbinghaus angestellten Versuchen das ganz exakte
Resultat ergeben, dafs sinnlose Reihen dem Gedächtnis einzu-
prägen aufserordentlich viel mühevoller ist und weit länger dauert
als das Lernen sinnvoller Reihen: die Arbeit reduzierte sich
beim Lernen solcher, wobei Strophen aus Byrons „Don Juan" in
Betracht kamen, auf ^/xo, also um ®/io gegenüber dem Lernen
von sinnlosen Reihen, die aus beliebig aneinander gereihten Silben
bestanden. Damit sind wir bereits bei den für die spezielle Ein-
prägung ins Gedächtnis in Betracht kommenden Regeln angelangt.
Zur Bildung des Gedächtnisses gehört nämlich vor allem, dafs es
fleilsig geübt wird, was nur dadurch möglich ist, dafs beständig
auf feste Einprägung des Dargebotenen gehalten wird. Dabei
ist zu achten 1. auf die Stärke und Vielseitigkeit, die Wieder-
holung und Beschränkung in der Fülle der Reize, 2. auf den
Reichtum der Assoziation und die Schärfe der Apperzeption, 3. auf
den Gefühlswert der betreffenden Reize und 4. auf das Vorhandensein
von Aufmerksamkeit. Man ersieht daraus, in wie engen wechsel-
seitigen Beziehungen die mannigfachen psychischen Vorgänge stehen;
wie innig sie untereinander verflochten sind, sodafs man von den
einen auch stets auf die anderen zurückgreifen, bei der Besprechung
der einen auch immer die anderen mitberücksichtigen mufs.
Im einzelnen ist bezüglich jener Regeln noch Folgendes zu
bemerken. Man hat experimentell festgestellt, dafs, wenn zwei
Reize derselben Art gegeben sind, derjenige von gröfserer
Intensität festgehalten wird, ebenso wie einunddasselbe um so
besser behalten wird, je mehr es von verschiedenen Seiten, gleich-
zeitig oder nacheinander, dem Gedächtnis eingeprägt wird. So
besteht der Vorzug des Lautlernens vor dem Leiselernen darin, dafs
es auf unser Bewufstsein von zwei Seiten her einwirkt und daher
zu einem schnelleren und sichereren Erfolge führt. Sehr bedeutsam
ist die Wiederholung; vor allem wichtig sind die unabsichtlichen
Wiederholungen, z. B. das Sprechen einer Sprache, das Einprägen
des Einmaleins durch den praktischen Gebrauch der Zahlverhält-
nisse u. a. m. Aber auch die absichtliche Wiederholung, das
systematische Auswendiglernen darf keineswegs vernachlässigt
werden; denn es hängt davon zum grofsen Teile das ab, was man
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