Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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450 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
andere Sinne sind noch zur Bethätigung heranzuziehen, z. B. in der
Naturkunde, wo eigentlich alle Sinne in Anspruch genommen wer-
den können. Die Begründung dieses Verfahrens ist gegeben durch
die Thatsache, dafs die einseitig zu lange Zeit hindurch in An-
spruch genommenen Sinne leicht ermüden, was naturgemäfs Über-
reizung und ein Nachlassen der Aufmerksamkeit zur Folge hat.
So tritt beim Geruchssinn und auch beim Tastsinn ziemlich rasch
Überreizung, Abstumpfung und Ermüdung ein, desgleichen beim
Gesichtssinn, weniger schnell beim Gehörssinn. Von sonstigen
Bedingungen für die Erregung und Fesselung der Aufmerksamkeit
nenne ich noch als für den ünterricht bedeutsam die Intensität des
Reizes und den Gefühlswert, den derselbe hat. Sehr starke und sehr
schwache Reize erregen unsere Aufmerksamkeit am meisten, er-
müden dieselbe aber auch sehr rasch: sehr schwache Reize, weil
sie eine sehr grofse Spannung der Aufmerksamkeit erfordern, sehr
starke Reize, weil sie verwirrend, betäubend wirken, nervös machen.
Das ist beachtenswert im besonderen für die Art des Sprechens
seitens des Lehrers: er mufs die goldene Mittelstrafse zwischen dem
zu lauten und zu leisen Sprechen sorgfältig innehalten, natürlich
ohne in Monotonie zu verfallen. Auch mufs er es verstehen, die
erschlaffende Aufmerksamkeit durch gelegentliches lauter oder leiser
Sprechen, aber an der richtigen und passenden Stelle, nicht da, wo
es störend oder geziert und lächerlich wirkt, wieder anzufachen.
Wie die sinnliche Anschauung so ist ebenfalls das Ge-
dächtnis bei dem in die Schule eintretenden Kinde bereits stark
entwickelt: es gilt, diese Entwickelung nach Kräften zu fördern.
Dabei sind folgende Punkte beachtenswert. Der Lehrer darf nicht
den ümfang und die Stärke des Gedächtnisses überschätzen, sondern
mufs bedenken, dafs, so Bewunderungswürdiges auch das kindliche
Gedächtnis leistet, dasselbe seine Grenzen hat; dafs das Gedächtnis
den Höhepunkt seiner Entwickelung überhaupt nicht schon im
Knaben- und Mädchenalter, sondern erst in der Zeit zwischen dem
15. und dem 30. Lebensjahre erreicht, wie die Erfahrung lehrt.
Demgemäls hüte der Lehrer sich namentlich davor, zuviel auf ein-
mal zu bieten: durch eine zu grofse Fülle von Reizen wird das Ge-
dächtnis geschwächt; der folgende Eindruck beeinträchtigt immer
den vorhergehenden, und schliefslich tritt völlige Abstumpfung ein.
Das ist freilich zunächst nur eine momentane und vorübergehende
Abstumpfung, die aber erfahrungsgemäfs zur dauernden wird,
wenn man fortfährt, das Kind mit Eindrücken zu überschütten.
Ferner mufs der Lehrer darauf achten, dafs das, was er bietet, dem