Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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448 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
erzielen, ist es allerdings nötig, anfänglich doch dem persönlichen
Interesse des Schülers Rechnung zu tragen, da derselbe sonst zu-
nächst nicht zu haben ist. Um eine intensive Beobachtung der
Gegenstände der Anschauung zu erreichen, mufs man ferner darauf
achten, dafs diese Gegenstände nicht zu kompliziert, nicht zu fremd
und nicht zu bekannt sind. Erscheint ein Gegenstand dem Kinde
ganz fremd, so erweckt er sein persönliches Interesse nicht; gegen
einen zu bekannten ist dasselbe bereits abgestumpft. Ein allzu
komplizierter Gegenstand erschwert die Beobachtung zu sehr, was
rasche Ermüdung und Erlahmen des Interesses zur Folge hat.
Selbstverständlich mufs im Verlaufe der Schulzeit dieses Verfahren
fortschreitend modifiziert werden. Um das Vermögen der sinn-
lichen Anschauung weiter zu entwickeln und dem natürlichen
Fortschritte in seiner Entwickelung Rechnung zu tragen, ist der
Gegenstand der Beobachtung allmählich immer komplizierter zu
wählen und zu gestalten, der alten Regel gemäfs, dafs man lang-
sam vom Einfachen zum Zusammengesetzten fortschreiten solle.
Ist der Schüler dahin gelangt, dafs er die Gegenstände aus blofser
Freude am Anschauen und Beobachten betrachtet, dann kann ihm
auch getrost zugemutet werden, einen ganz fremden Gegenstand
oder einen ganz bekannten, den man ihm in einer neuen Be-
leuchtung vorführen will, aufmerksam zu betrachten.
In enger Verbindung mit der Bildung der sinnlichen An-
schauung steht die der Aufmerksamkeit: soll doch das Kind
lernen, aufmerksam anzuschauen, um ein minutiöses Weltbild zu
gewinnen, während es, sich selbst überlassen, nur flüchtig und ober-
flächlich, mit zerstreuter und schnell wechselnder Aufmerksamkeit
die Dinge betrachtet und daher blofs die gröberen Züge der Wirk-
lichkeit erfafst. Nun lehrt die Erfahrung, dafs die Fähigkeit, auf-
merksam zu sein, sich nur langsam entwickelt, und dafs die Auf-
merksamkeit des Kindes sehr rasch ermüdet. Daher mufs der Lehrer
sich hüten, zu grofse Anforderungen an die kindliche Aufmerksam-
keit zu stellen, und ferner mufs er der natürlichen Entwickelung zu
Hilfe kommen und für das Erstarken der Aufmerksamkeits-Fähigkeit
Sorge tragen. Das geschieht dadurch, dafs er die Schüler zwingt,
täglich eine gewisse Zeit hindurch aufmerksam zu sein; auf solche
Weise erstarkt dieses Vermögen schneller und sicherer, als das
im Verlaufe der natürlichen Entwickelung geschehen würde, wenn
die Kinder sich ganz frei tummeln und nach Belieben von einem
Gegenstande zum anderen wenden, bald diesem bald jenem Ein-
drucke nachgehen dürfen. Aber die weitere Frage ist die, wie