Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
ginnen, wennschon sehr allmählich, in den Arbeitern nicht mehr
blofs die Hände, welche zu ihrer Bedürfnisbefriedigung vorhanden
sind, sondern ihre gleichwertigen Volksgenossen und Neben-
menschen zu erblicken. Und das Proletariat sieht ebenfalls mit
der fortschreitenden Linderung seiner materiellen und geistigen
Not in den Bourgeois nicht mehr blofs seine Aussauger und Feinde,
sondern fängt an, dieselben mit etwas freundlicheren Blicken zu
betrachten.
Verhältnismäfsig weniger schwierig ist der Nachweis, dafs die
soziale Entwickelung von günstigem Einflüsse auf die der Intelligenz
ist. Es ist eine Thatsache der Erfahrung, dafs mit der fort-
schreitenden sozialen Entwickelung die Bildung eine allgemeinere
wird, indem die vorhandenen Bildungsgelegenheiten immer mehr
Menschen zugänglich gemacht werden. Ja, die fortschreitende
soziale Entwickelung hat geradezu den Bildungszwang im Gefolge
für alle Glieder der betreffenden gesellschaftlichen Gruppe; man
denke nur an die Einführung der allgemeinen Volksschulpflicht
und daran, dafs die im Werden begriffene soziale Ordnung darauf
abzielt, auch die höhere Bildung durch Beseitigung des besonderen
Schulgeldes allen Volksgenossen zugänglich zu machen. Je mehr
geistige Produkte aber nicht nur angehäuft, sondern auch allen
zugänglich gemacht werden, desto eher gelangen schwächliche
Beanlagungen, die der Anregung und des Beispiels bedürfen, zur
Bethätigung; desto eher schwindet auch die Gefahr, dafs vor-
handene gute Anlagen aus Mangel an Ausbildungs-Gelegenheit, an
Übung, statt zur Entfaltung zu gelangen, verkümmern. Unzählige
Fähigkeiten bleiben latent, wenn ein genügend weites und jedem
sich darbietendes soziales Niveau nicht vorhanden ist, dessen
mannigfaltige geistige Inhalte aus jedem Einzelnen das heraus-
locken, was in ihm ist. Dafs dem wirklich so ist, das lehrt die
Geschichte, welche uns zeigt, dafs auf die Epoche der Genies die
der Talente folgt. Wir beobachten diese Erscheinung im Altertum,
in der griechisch-römischen Philosophie, am Ausgange des Mittel-
alters, in der Kunst der Renaissance, in der Neuzeit, in der zweiten
Blüteperiode der deutschen Dichtung wie in der Musikgeschichte
des 19. Jahrhunderts. Sehr viele Menschen, ja die überwiegende
Mehrzahl derselben werden sich der in ihnen schlummernden An-
lagen eben erst bewufst und sehnen sich nach ihrer Entfaltung,
wenn sie mit den Produkten künstlerischer, technischer oder wissen-
schaftlicher Kultur in nähere Berührung kommen. Von diesem
Gesichtspunkte aus verringert, wie Simmel einmal treffend bemerkt,