Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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438 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
Verstehen herüber und hinüber fast ganz unmöglich geworden ist.
Endlich lehrt die Erfahrung ja ganz unzweifelhaft, dafs die Kennt-
nis der alten Sprachen zur höchsten Geistesbildung keineswegs er-
forderlich ist. Nehmen wir nur einmal einen so ausgezeichneten
und glänzenden Schriftsteller wie Gottfried Keller; dieser, einer
der feinsten Stilisten von geradezu klassischer Vollendung des Aus-
druckes, hat weder je Latein noch Griechisch gelernt und auf die
Zumutung, es noch in späteren Jahren nachzuholen, erwidert: er
glaube, seine Zeit besser verwenden zu können. Denken wir ferner
an Männer wie Moltke und Roon, welche, ohne Latein oder
Griechisch zu lernen, zu solcher Höhe geistiger Bildung, zu der
so wunderbaren „Abklärung des ganzen geistigen Wesens' und
zu dem klassischen Stil, der uns namentlich an Moltke entzückt,
emporgestiegen sind. Und bezüglich der Oberrealschüler ist doch
zu sagen, dafs, wie auch der Gymnasial-Direktor Reinhardt in
Frankfurt am Main in einem Aufsatze in den „ Comenius-Blättern
für Volkserziehung" einmal hervorhebt*), an ihrer Art sich aus-
zudrücken und zu sprechen, an ihrer Art zu denken und zu fühlen,
nicht zu merken ist, ob sie klassische Sprachen gelernt haben
oder nicht. „Ich persönlich kann mitteilen," sagt Reinhardt, „dafs
es mir einmal vergönnt war, den Unterricht in einer Oberreal-
schule gründlicher kennen zu lernen, und dals ich da erstaunt
war, über die Art und Weise, wie die Schüler der ersten Klasse
einen französischen Philosophen gelesen und interpretiert haben,
und zwar in nicht anderer Weise, wie ich offen zugestehen mufs,
als wir im Gymnasium es etwa mit Plato treiben."
Damit nun der Besuch dieser oder jener Schule auch wirk-
lich von der Begabung allein abhängig sein, damit thatsächlich die
Überweisung der Schüler an diese oder jene Lehranstalt von der
Gesellschaft, bezw. in ihrem Auftrage von den Lehrern vorge-
nommen werden kann und dabei unterlaufende Irrtümer leicht
wieder gutgemacht zu werden vermögen, ist noch zweierlei zu
beachten. Der Besuch höherer Schulen darf nicht an Bedingungen
geknüpft sein, welche die Erwerbung höherer Bildung wie jetzt
blofs von Geburt und ererbtem Besitz abhängig machen; es mufs
dem Talente Raum, die Möglichkeit der Entfaltung geboten wer-
den, ohne dabei auf Wohlthaten, die den Empfänger stets nieder-
drücken und oft verbittern, angewiesen zu sein. Zu diesem Zwecke
*) Man vergleiche: Reinhardt, „Die Bedeutung des gemeinsamen
Unterbaues für die höheren Schulen" in den „Comenius-Blättern für Volks-
erziehung". VII. Jahrgang. No. 7/8.