Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 48. Die Organisation der öffentlichen Erziehung. 437
die Erlernung des Sanskrit, der semitischen Sprachen u. a. m.,
überlassen. Dafs die Entwickelung des Gymnasiums sich in der
That in dieser Richtung bewegt, darüber scheint mir kein Zweifel
möglich sein zu können. Der Neuhumanismus, der am Ende
des 18. Jahrhunderts aufkam, hat den Höhepunkt seiner Ent-
wickelung entschieden längst hinter sich; er weicht allmählich, aber
deutlich erkennbar vor dem Neureahsmus immer mehr und mehr
zurück. Die Zahl seiner Verehrer und der Verteidiger seiner Be-
rechtigung wird immer kleiner und kleiner, jedenfalls verlieren
ihre Stimmen stetig an Geltung. Es hängt das selbstverständlich
mit der Entwickelung zusammen, welche unsere nationale, welche
überhaupt die Kultur Europas in den letzten Jahrzehnten durch-
gemacht hat. Die neue Kultur, welche sich jetzt abzurunden, ein
geschlossenes Ganzes zu werden beginnt, baut sich auf den Natur-
wissenschaften auf. PVeilich ist diese neue Kultur auch geschicht-
lich bedingt; aber diese geschichtliche Bindung hat nicht mehr
dieselbe Bedeutung wie früher. Wir fühlen uns durch die Er-
gebnisse der naturwissenschaftlichen Forschung der letzten fünfzig
Jahre von dem Altertume durch eine Kluft getrennt, die in gar
keinem Verhältnisse mehr zur Zahl der Jahrhunderte steht, die in
Wahrheit zwischen dem Altertum und unserer Zeit liegen. Das ein-
gehende Studium der alten Kultur erscheint uns demnach nur noch
als für den gelehrten Geschichtsforscher, den Fachkulturhistoriker
bedeutsam und notwendig. Demgemäfs kommt auch für diesen nur
das Studium der alten Sprachen noch in Betracht; im übrigen
halten wir eine allgemeine, durch den Geschichtsunterricht ver-
mittelte Kenntnis jener Kultur für ausreichend. Ferner glauben
wir heutzutage, dafs die Litteratur jener Zeit, soweit sie von un-
vergänglichem Werte ist, in Übersetzungen uns ebensogut nahe-
gebracht werden kann wie die Litteratur anderer Kulturvölker,
umsomehr, da ja die sogenannte formale Bildung, welche das
Studium der alten Sprachen nach der Meinung der Neuhumanisten,
die darin eine Art von Zaubermittel zur Weckung der Intelligenz,
einen allgemeinen Schleifstein des Geistes erblickten, gewähren
sollte, von der neuen Psychologie als „Fabel" erwiesen worden ist.
Ja noch mehr, gegen die Gymnasien in ihrer alten Verfassung mit
ihrer einseitigen Betonung des antik-klassischen Elementes spricht
ein sehr gewichtiger Umstand; diese Bildung hat mit dazu beige-
tragen, das Verständnis zwischen den „Gebildeten" und der grofsen
Masse des Volkes zu erschweren, hat es mit zuwege gebracht, dafs
eine so tiefe Kluft zwischen Gebildeten und Volk entstanden und ein