Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 48. Die Organisation der öffentlichen Erziehung. 435
bis zum zwölften Jabre besucht wird, bildet den Unterbau des
ganzen Schulsystems und ist für alle Kinder bestimmt, welchen
Standes und Ranges die Eltern auch immer sein, in welcher
Vermögenslage sie sich auch immer befinden mögen. Die
besonderen Vorschulen für die höheren Lehranstalten müssen
überall in Wegfall kommen; denn sie leisten blofs dem hoch-
mütigen Kastengeiste Vorschub und sind deshalb durchaus un-
sozial. Es wird gegen die allgemeine Volksschule bisweilen der
Einwand erhoben, dafs durch diese Einrichtung diejenigen Kinder,
deren Vorstellungsleben in der bisherigen Erziehung infolge der
günstigen Lage der Eltern ein reicher entwickeltes ist, zu Gunsten
der weniger entwickelten Zöglinge in der Entfaltung ihrer intellek-
tuellen Kräfte zurückgehalten würden. Dagegen ist zu sagen,
dafs das nur ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit ist; denn die
günstige Lage der Eltern ist eine reine Zufälligkeit, und ihr zu-
liebe darf man eines Mittels sich nicht selbst berauben, das für
die soziale Erziehung, für die Entwickelung des Solidaritäts-Be-
wufstseins von so grofser Bedeutung ist wie die gemeinsame Unter-
weisung aller Kinder in den ersten Jahren ihres schulpflichtigen
Alters. Die mit regerem und entwickelterem Vorstellungsleben in
die Schule eintretenden Kinder üben durch den ständigen Ver-
kehr mit ihren weniger glücklichen Kameraden einen günstigen
Einflufs auf deren Intellekt aus, beschleunigen die Entwickelung
desselben, und, indem sie so, wenngleich ihnen selbst nicht be-
wufst, im Dienste der ausgleichenden Gerechtigkeit stehen, wirken
sie daraufhin, dafs in Kürze ein allgemeines Durchschnitts-Niveau
sich ergiebt, über das hinfort nur noch die Begabung hinauszuragen
vermag. In diesen fünf ersten Schuljahren hat zudem der Lehrer
genügend Zeit, sich ein Urteil über die Fähigkeiten seiner Schüler
zu bilden, ob sie zum Besuche einer höheren Schule tauglich sind
oder nicht. Die Uberweisung an eine solche mufs durchaus Sache
der Gesellschaft, bezw. ihrer Erziehungs-Beamten, also eben der
Lehrer sein, nicht dafs, wie es jetzt ist, die Eltern willkürlich
darüber entscheiden und ihre oft nur wenig talentierten und
begabten Kinder aus Eitelkeits-Rücksichten mit Mühe und Not
durch die höheren Schulen „ hindurchdrückenDadurch sind
die höheren Schulen ja schliefslich zu dem geworden, was sie
heutzutage sind, zu Anstalten, in denen die gröfste Mittelmäfsig-
keit hinsichtlich der Lehrziele und der Lehrpläne herrscht. Um
aber die, bei solchen Beurteilungen seitens der Lehrer und den
danach vorgenommenen Zuweisungen unvermeidlichen Irrtümer
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