Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 48. Die Organisation der öffentlichen Erziehung. 433
Orten schon vorhandene Krippen u. dgl. brauchen nur umgestaltet
und vergesellschaftet, verstaatlicht zu veerden. Rettungshäuser
und ähnliche Anstalten kämen in Wegfall; an ihre Stelle würden
Anstalten für erblich belastete Kinder, deren Erziehung im elter-
lichen Hause gefährdet erscheint, und für defekte Kinder jeder
Art, für die noch viel zu wenig vorgesorgt ist, treten. Denn es
gilt, soviel wie möglich alle Kräfte in den Dienst der Gesamtheit
zu stellen und für die Kulturarbeit nutzbar zu machen, auch
schwache nicht völlig brach liegen zu lassen. Das Moment der
Barmherzigkeit, welcher Gelegenheit zur Bethätigung gegeben wer-
den soll, kommt dabei auch in Betracht, steht aber erst in zweiter
Reihe. Gewifs äulsert sich darin eine Verfeinerung des Mit-
gefühls, und sicherlich wäre es, selbst wenn es möglich wäre, dafs
wir so vollständig wieder umlernen und umfühlen könnten, ver-
kehrt und verwerflich, wollten wir zur altspartanischen Selektion
zurückkehren; denn wir würden uns vieler immerhin ganz brauch-
barer Kräfte selbst berauben und bisweilen sogar grofse Geistes-
gaben eines verkrüppelten Körpers wegen zunichte machen. Aber
wir müssen uns doch auch hüten, darauf uns allzuviel zugute zu
thun und allzuweit darin zu gehen: wir dürfen dabei nicht senti-
mental werden. Zur Ethik der Kraft und zur Religion des
Lebens, denen die Zukunft gehört, gehört die Lehre vom
Recht auf den Tod: dem ganz unbrauchbar gewordenen, dem
gänzlich untauglichen Individuum mufs das Recht zugestanden
werden, freiwillig vom Schauplatze, von der Bühne des Lebens
abzutreten. Denn ein solcher Mensch lebt doch nur sich selbst
und auch anderen, selbst seinen Angehörigen, zur Last; häufig
genug hindert er seine Verwandten sogar an der Entfaltung
ihrer Kräfte und entzieht sie sonstigen wichtigen Aufgaben,
entfacht endlich nicht selten nur mühsam unterdrückte Gefühle
des Hasses in ihnen und zwingt sie zu beständiger Heuchelei.
Auf alles das hat die Erziehung schon gebührend Rücksicht zu
nehmen: sie darf nicht wie bisher den Selbstmord unbe-
dingt und uneingeschränkt verdammen.
Jene Erziehungshäuser, in grofser Menge vorhanden, im
Freien gelegen und mit weiten Räumen versehen, sollen ferner-
hin nach meinem Dafürhalten auch die Zentralstellen werden
für die Pflege der Gymnastik, des Handfertigkeits-, Ge-
sang-, Zeichen- und Modellier-Unterrichtes, der Jugend-
spiele und überhaupt aller jugendlichen Geselligkeit im
gröfseren Mafsstabe; also auch die freien litterarischen
Bergeman n , Soziale Pädagogik. 28