Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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432 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
bedeutet, eine tüchtige Erziehung zuteil werde. Zu diesem Zwecke
sind öffentliche Erziehungs-Anstalten zu gründen; jedoch habe
ich dabei nicht etwa derartige umfangreiche Anstalten wie die
jetzt üblichen, z. B. unsere Kadettenhäuser, im Auge; denn in
diesen geht der Charakter der Familienerziehung, der durchaus
gewahrt werden mufs, gänzlich verloren. Auch ist es ja bei einer
so grofsen Menge von Zöglingen den Erziehern gar nicht möglich,
sich dem Einzelnen so zu widmen, wie es erforderlich ist, um sich
liebevoll in seine Individualität vertiefen zu können. Daher trete
ich nicht für grofse Erziehungsanstalten, sondern für kleine Er-
ziehungshäuser oder Erziehungsgruppen, echte Kinder-
heimstätten ein, welche den Charakter der Familie bewahren
können, innerhalb deren eine genaue Überwachung in jeder Hin-
sicht möglich ist: dieselben dürften nicht mehr als etwa zehn
oder zwölf Zöglinge beherbergen. Soweit es sich dabei um Kinder
handelt, deren Eltern noch leben, müssen diese natürlich nach
Mafsgabe ihrer ökonomischen Verhältnisse zur Bestreitung der Er-
ziehungskosten herangezogen, ebenso dürfen vermögende Halb-
oder Ganzwaisen selbstverständlich nicht einfach kostenlos daselbst
untergebracht werden. — Diese Zöglinge besuchen wie alle anderen
Kinder die öffentlichen Schulen; die an den Erziehungshäusern
thätigen Erzieher sind ausschliefslich Erzieher, nicht Lehrer, aber
in allgemein-wissenschaftlicher und allgemein-pädagogischer Hin-
sicht geradeso vorgebildet wie die Lehrer, wie alle berufsmäfsigen
Erzieher überhaupt. Nicht verwechselt werden dürfen diese Er-
ziehungshäuser, wie ich sie im Auge habe, mit den jetzt vor-
handenen Zwangs-Erziehungsanstalten. Denn nicht schon
verderbte Kinder sollen erst darin Aufnahme finden; sondern diese
Erziehungshäuser sollen vielmehr dem Verderbtwerden durch eine
schlechte Erziehung und ungünstige wirtschaftliche Verhältnisse
vorbeugen, indem sie die Kinder noch zu rechter Zeit, unter Um-
ständen gleich nach der Geburt, ihrem gefährlichen Milieu entziehen.
Lehrt doch die Erfahrung, dafs in gar nicht seltenen Fällen die jetzt
übliche Zwangserziehung nur wenig erfolgreich ist. So lassen in
England von den zwangsmäfsig Erzogenen ca. 20®/o Besserung
vermissen; in Connecticut sind stets durchschnittlich 10"/o rück-
fällig. In Baden hatten im Jahre 1893 von den zwangsweise Er-
zogenen ca. 23®/o, im besonderen von den auf Grund von be-
gangenen Verbrechen zwangsweise Erzogenen sogar 29% keinen
befriedigenden Erfolg aufzuweisen. Demgemäfs wird es natürlich
verschiedene Arten solcher Erziehungshäuser geben müssen. An