Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
26 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
beruhende Organisation der mittelalterlichen Gesellschaft mit der
gegenwärtigen. Umgekehrt bedingt aber auch die höhere soziale
Entwickelungsstufe wieder eine Erhöhung des intellektuellen und
des moralischen Niveaus der betreifenden Gruppe, so dafs also
zwischen der natürlichen Entwickelung und der sozialen ein Ver-
hältnis der Wechselwirkung besteht. Besonders schwierig ist es,
den Einflufs nachzuweisen, den die soziale Entwickelung auf das
Sittliche, auf die moralische, die gemütliche Entwickelung ausübt;
bestimmte greifbare Daten lassen sich in dieser Beziehung kaum
geben. Aber man ist wohl berechtigt zu der Annahme, dafs, wenn
mit der fortschreitenden sozialen Entwickelung die Sklaverei ver-
schwindet und ein Zustand der rechtlichen Gleichheit aller ein-
tritt, diese zunehmende Demokratisierung der Gesellschaft das
Verhalten der Menschen zu einander durchgehends veredelt. Freilich
ist schon die Abschaffung der Sklaverei, man denke z. B. an die
in den Vereinigten Staaten Nordamerikas in den sechziger Jahren
dieses Jahrhunderts erfolgte, die Konsequenz eines verfeinerten
Mitgefühls, aber doch nur eines Teils der Bevölkerung, der unter
Umständen, wie in Amerika, diese Folge seines verfeinerten Mit-
gefühles erst mit Gewalt gegen den anderen Teil der Bevölkerung
durchsetzen mufs. Ist das aber geschehen, so wird die Notwendig-
keit, die vom Joche der Sklaverei Befreiten nunmehr als vollwertige
Nebenmenschen betrachten und behandeln zu müssen, ohne Zweifel
nach und nach, vielleicht sogar nur sehr langsam und sehr all-
mählich, auch auf die innerliche Stellungnahme zu ihnen, auf das
Oefühl ihnen gegenüber modifizierend einwirken. Umgekehrt wird
aber auch die veränderte soziale Lage der Befreiten einen Einflufs
auf diese und ihre Gefühlsweise und zwar in günstigem Sinne aus-
üben. Einerseits wird ihr Selbstgefühl sich heben, was der ganzen,
also ebenfalls der moralischen Persönlichkeit zu gute kommt. Ander-
seits wird ihre, die bisherigen Unterdrücker und Herren betreffende
Gefühlsweise gänzlich umgestaltet. Diejenigen, welche bisher nur
Gegenstände der Furcht und des Hasses waren, können jetzt auch
solche der Nächstenliebe werden, natürlich ebenfalls blofs sehr
allmählich und langsam und mit Überwindung etwaiger Rache-
gefühle. Eine ganz ähnliche Entwickelung können wir in der
Stellung der arbeitenden Klassen, des Proletariats und der bürger-
lichen Kreise zueinander allerorten beobachten. Die sich an-
bahnende neue soziale Ordnung übt einen entschieden modifi-
zierenden Einflufs auf die Gefühle der Arbeiter und der Bourgeois
in der Richtung auf das sittlich Bessere aus. Die letzteren be-