Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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430 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
des Beispiel des Zusammenhanges von Lehre und Leben zu geben.
Darin besteht Jesu Gröfse, dafs er lebte, was er lehrte:
in dieser Hinsicht ist er neben Männer wie Sokrates und Buddha
zu stellen.
, Endlich mufs ich hier noch die neuerdings so vielfach erhobene
Forderung beleuchten, dafs bei der Gestaltung des öffentlichen Er-
ziehungs-, besonders des Schul- und Unterrichtswesens, den Eltern
der Zöglinge auch eine Stimme zugebilligt werden solle. So ge-
fafst halte ich dieses Verlangen für durchaus unberechtigt; denn das
heifst, dem Dilettantismus Thor und Thür öffnen. Nur Fachmänner
sind befugt, darüber zu entscheiden, was im Hinblick auf das
Ziel der Erziehung zu lehren und zu lernen, was zu erstreben
und zu erreichen ist. Jedoch möchte ich mich nicht etwa auf
den rigorosen Standpunkt stellen, dafs den Eltern gar nicht das
Recht zustehen solle, Wünsche zu äufsern und Vorschläge zu
machen, die in ernsthafte Erwägung zu ziehen seien. Dazu bietet
einerseits die Volksvertretung unserer modernen Staaten Gelegen-
heit; aufserdem steht die Presse ja jederzeit denen zur Verfügung,
welche etwas zu sagen haben; endlich sind es die Elternabende,
welche die Eltern leicht in den Stand setzen, ihrer Meinung Aus-
druck zu geben: gerade darauf möchte ich besonderen Nachdruck
legen. Leider ist die Einrichtung der Elternabende noch lange nicht
so verbreitet, wie sie es ihrer Bedeutung zufolge verdient, was frei-
lich gröfsten Teils an den Verhältnissen liegt: Mangel an Zeit und
an Interesse verhindern die Eltern der Zöglinge nur zu oft, die ihnen
gebotene Gelegenheit zur Aussprache zu ergreifen. Am meisten
„ziehen* erfahrungsgemäfs noch solche Elternabende, an denen auch
die Kinder teilnehmen; die Eltern treibt dann die Neugier, noch
mehr die liebe Eitelkeit, hinzugehen und sich an den deklamato-
rischen und gesanglichen Leistungen ihrer Kinder zu „weiden*.
Aber gerade diese Art der Elternabende ist die am allerwenigsten
bedeutsame; jedoch mag sie immerhin gepflegt werden, um die
Eltern überhaupt zunächst einmal an diese Einrichtung zu ge-
wöhnen. Aber die Eltern sind es nicht allein, welche die Schuld
daran tragen, dafs Elternabende noch so vereinzelt dastehen, son-
dern die Bequemlichkeit der berufsmäfsigen Erzieher ist eine andere
Ursache. In dem öffentlichen Erziehungswesen der Zukunft müssen
die Elternabende hingegen die Rolle spielen, die ihnen zukommt;
sie müssen obligatorisch werden und mindestens allmonatlich
einmal stattfinden. Um die Eltern dafür zu interessieren, müssen
die öffentlichen Erzieher den Eltern die Augen öö'nen für die