Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 48. Die Organisation der öffentlichen Erziehung. 429
(Lun Yu, XVI. 26). Das ist die wohlüberlegte Antwort eines
wahrhaft führenden Geistes, der sich seiner Verantwortlichkeit
vollbewufst ist. Böses mit Gutem vergelten, das ist hingegen
geradezu unsittlich; denn das heifst ja, zum Thun des Bösen direkt
auffordern und anreizen. Gewifs wird man dadurch auf mancher
Häupter feurige Kohlen sammeln, wie man zu sagen pflegt, und
die betreffenden Menschen auf diese Weise veranlassen, in sich
zu gehen. Aber wie die menschliche Natur im Durchschnitt, im
grofsen und ganzen beschaffen ist, wird dieser Erfolg nur sehr
selten erreicht werden. Die meisten Menschen werden finden, dafs
der Böses mit Gutem Vergeltende ein Thor sei, den man un-
gestraft schädigen könne. So wird der Zweck, der durch diese
weitgehende Feindesliebe erreicht werden soll, und der darin be-
steht, das Böse durch das Gute zu überwinden, gänzlich verfehlt.
Dafs das Böse allein durch das Gute überwunden werden kann,
das ist ganz sicher; aber das dabei einzig in Betracht kommende
Gute ist, wie Confucius richtig erkannte, das Gerechte. Fragen
wir, wie es geschehen konnte, dafs dennoch jene verkehrte Auf-
fassung solch grofsen Anklang fand, so ist der eine Grund in dem
Umstände zu finden, dafs die ersten Anhänger Jesu fast nur aus ganz
einfachen und ungebildeten Leuten bestanden. Ein anderer Grund
ist in Jesu Persönlichkeit gegeben. Es scheint von dem Nazarener
eine aufserordentlich starke suggestive Kraft ausgegangen zu
sein; er hat es jedenfalls ausgezeichnet verstanden, zu fascinieren,
fortzureifsen, das, was ihm als das Richtige, Gute und Ideale
erschien, mit gröfster Eindringhchkeit zum Ausdruck zu bringen.
Machen wir doch stets die Beobachtung, dafs der Fanatiker das
in hervorragendem Mafse vermag, und ein Fanatiker war der
Galiläer ganz unzweifelhaft. Er war, wie Jules Soury in seinem
Buche „Jesus und die Evangelien" treffend ausführt, gewifs
nichts weniger als eine idyllische Person, nichts weniger als der
milde Jesus Ren ans. Auch Paulsen sagt in seiner Ethik: „Wenn
Jesus jener liebenswürdige Apostel humaner Lebensweisheit gewesen
wäre, dann hätten seine Zeitgenossen wohl es nicht für nötig er-
achtet, ihn ans Kreuz zu schlagen". — Aus alledem geht auch
das noch hervor, dafs der Nazarener selbst nicht als
Typ des höchsten, des absoluten Menschenideals in der
Erziehung verwertet werden kann, was man ja ebenfalls
ganz allgemein thut. Damit soll jedoch nicht gesagt werden,
dafs er gar nicht mehr als Vorbild hingestellt werden soll. Es soll
das gewifs in der Erziehung geschehen, nämlich um ein schlagen-