Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 48. Die Organisation der öffentlichen Erziehung. 427
Reiche, sondern durch die Beteiligung an den Aufgaben, welche
die Welt selbst für die wichtigsten und gröfsten hält, dann müfste
man sagen, dals er nichts unterlassen hätte, um mifsverstanden
zu werden.' Und sehr richtig bemerkt Volkelt einmal, dafs auf
dem Boden des ursprünglichen Christentums eine freudige und
hingebungsvolle Kulturarbeit überhaupt gar nicht möglich ist.
Die Geschichte lehrt ja ganz unzweideutig, dals das Christentum
erst dann eine Kulturmacht geworden ist, als es sich von seines
Herrn und Meisters einseitiger Lebensauffassung frei gemacht und
mit der alten Kulturwelt Frieden geschlossen hatte. Man bedenke
doch auch, dafs das Christentum geradezu Kultur zerstörend ge-
wirkt hat; dafs die Christen des Altertums viele herrliche Kunst-
und Wissensschätze in blindem Glaubensfanatismus vernichtet haben.
Ganz Ahnliches beobachten wir auch wieder zur Zeit der Refor-
mation: mit dem Zurückgreifen auf die urchristlichen Dokumente
traten die Bilderstürmer auf. Natürlich soll damit nicht gesagt
werden, dafs die christliche Lehre direkte Anreizungen zu solchem
Thun enthalte; aber dieses Thun ist eben die Folge des Geistes des
Christentums, der die Welt und ihre Werke gering schätzt: von
solcher Geringschätzung zur Zerstörung pflegt immer nur ein
kleiner Schritt zu sein. Sicher hat das Christentum positive Kultur-
arbeit nicht bewirkt, und sicher ist hohe Kultur ohne Christen-
tum denkbar; denn die Erfahrung lehrt, dafs es hohe Kultur im
heidnischen Altertum gab, und dafs es hohe Kultur auch heutzu-
tage noch giebt, wo das Christentum keinen Eingang gefunden hat.
Was wir dem Christentum verdanken, das ist das, dafs es gröfseren
sittlichen Ernst in die Welt gebracht und eine Verfeinerung des
Mitgefühls angebahnt hat. Aber gegen seinen weitabgewandten
Geist müssen wir uns aufs allerentschiedenste verwahren. Denn
wir verlangen heute mehr denn je statt Weltverneinung Welt-
bejahung; wir wünschen die Jugend zu dieser, nicht aber zu
jener zu führen. Nicht gilt es ihre Blicke auf ein Jenseits, das
doch nur Trug und Wahn ist, beständig zu lenken, sondern auf
das Diesseits und seine grofsen Aufgaben. Die Erde ist die
wahre Heimat des Menschengeschlechtes und die einzige
Stätte, auf die seine Gedanken und sein Handeln sich
richten können und müssen. Schön und wahr sagt Nietzsche-
Zarathustra: „Lafst eure Tugend nicht davonfliegen vom Irdischen
und mit den Flügeln gegen ewige Wände schlagen. Ach, es gab
immer soviel verflogene Tugend! Führt gleich mir die verflogene
Tugend zur Erde zurück — ja zurück zu Leib und Leben: dafs