Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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424 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
zwar hat dergleichen erst ganz am Ende der Erziehungszeit zu ge-
schehen, in den letzten Wochen vor dem Austritt des Zöglings aus
der Schule, dem Gymnasium oder der Bürger- oder der Fortbildungs-
schule. Ganz kurz gesagt: auf Grund solcher Daten, wie sie die
Schule bisher ihren Schülern in den verschiedensten Lehrgegen-
ständen an die Hand gegeben hat, ist der Blick auf das Ewige
hinzulenken, soweit wir dasselbe zu erfassen imstande sind. Dafs
dies nicht eher mit Erfolg möglich ist, das leuchtet von selbst
ein: erst mufs der Sinn des Menschen sich an der ihn umgebenden
Wirklichkeit gesättigt haben, ehe er ihn den Dingen zuwenden
kann, die jenseits alles Wirklichen liegen.
An die Stelle der religiösen Belehrungen treten in Zukunft
rein moralische Unterweisungen, welche jetzt aufs engste
mit dem Religions-Unterrichte verquickt und sonst noch im An-
schlufs an die Besprechung von Lesestücken und im Geschichts-
unterrichte, wo sie nichts weniger als am Platze sind, geboten
werden. Dafs solche ethische Belehrungen nicht mit der Präten-
sion auftreten dürfen, als ob dadurch besonders viel zur Ethi-
sierung des Zöglings beigetragen werden könne, und aus welchem
Grunde ein solcher Anspruch hinfällig ist, das habe ich schon
früher auseinandergesetzt und auch bereits angegeben, welcher
Sinn allein damit vernünftiger Weise zu verbinden ist. Im Ge-
schichts- und im Litteraturunterricht, eben bei der Besprechung
von Lesestücken in Poesie und Prosa, den Schülern mit „ethischer
Vertiefung" kommen, wie dies bekanntlich der Herbartianismus
thut, dafs heifst, jene LTnterrichtsgegenstände verfälschen, etwas in
sie hineintragen, was gar nicht zu ihrem Wesen und Charakter
pafst. Der Litteraturunterricht hat den Zweck, den litterarischen
Geschmack zu bilden und auf den unteren Stufen daneben auch
die Lesefertigkeit zu erhöhen; der Geschichtsunterricht soll die
Schüler mit der Kultur namentlich ihres Volkes bekannt und
vertraut machen, was zum Verständnis der Gegenwart un-
bedingt erforderlich ist, und gleichzeitig sich die Weckung ihres
historischen Sinnes angelegen sein lassen, was von Wichtig-
keit für die spätere Mitarbeit am Kulturprozesse ist. Mit der
Moral haben die geschichtlichen Thatsachen, hat das historische
Geschehen nicht das Allermindeste zu thun, ebensowenig wie
die Vorkommnisse und Fakten, mit denen die Kinder im natur-
wissenschaftlichen Unterrichte bekannt gemacht werden. Mit den
religiösen Belehrungen haben die ethischen Unterweisungen nichts
gemein; denn bei jenen handelt es sich um blofses Glauben und