Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 48. Die Organisation der öffentlichen Erziehung. 423
Gegensatz steht, das kann, dafs darf nicht mehr „geglaubt" werden.
In allen Angelegenheiten des , Fürwahrhaltens" darf nichts vor-
kommen, was nicht die logische Vernunft gutheilst. Alle anderen
Gewifsheitsarten, auch die religiöse Gefdhlsgewifsheit, müssen vor
den Aussprüchen des kritischen Denkens zurücktreten: das einmal
mit Bewufstsein geübte und anerkannte Denken steht selbst-
herrlich da. Gewifs soll dem Volke und zwar dem, gesamten
Volke, nicht blofs, wie man gewöhnlich meint, dem handarbeiten-
den Teile desselben, die Religion erhalten bleiben; aber das ge-
schieht nur dadurch, dafs die Religion immer bestrebt ist, Ver-
nunft-Religion zu sein, mit der zunehmenden Natur- und Geschichts-
Erkenntnis in Einklang zu bleiben. Eine überlebte, veraltete, un-
vernünftig gewordene Religion kann nicht künstlich aufrechterhalten
werden; denn sie verliert ihre Anhänger unfehlbar, indem sie zu
einem Gegenstande des Gespöttes und der Verachtung herabsinkt.
Daraus erwächst dem modernen Kulturstaate die Verpflichtung,
für die Anbahnung eines vernünftigen Glaubens im Verlaufe der
Erziehung Sorge zu tragen. Also in dieser Hinsicht mufs dem
Staate das Recht zugestanden werden, sich um religiöse Dinge
kümmern zu dürfen; ja, es mufs das von ihm ganz energisch ver-
langt werden.
Es fragt sich nun, wie beschafl'en die religiöse Erziehung
der Jugend sein soll; was für religiöse Belehrungen geboten
werden sollen. Die Frage ist zunächst negativ sehr leicht zu
entscheiden: bei diesen Belehrungen darf es sich natürlicher Weise
um keinerlei konfessionelle und dogmatische Auseinandersetzungen
handeln; sondern, um es auch positiv zusagen, es können dabei
einzig und allein die allgemeinen Grundlagen religiöser Weltan-
schauung in Betracht kommen. Man hört demgegenüber oft sagen,
dafs dergleichen Belehrungen gar nicht als religiöse anzusehen
seien, oder man versteigt sich nicht selten sogar zu der Behaup-
tung, dafs es so etwas überhaupt nicht gebe. Wahrlich, man mufs
zur Ehre solcher Leute, die derartige Meinungen gelassen aus-
sprechen, annehmen, dafs sie sich der Tragweite ihrer Worte nicht
bewufst sind. Die allgemeinen Grundlagen religiöser Weltan-
schauung durch Belehrung übermitteln, das heifst, aus einer Fülle
historischer und naturwissenschaftlicher Daten gewisse allgemeine
Konsequenzen ziehen, welche die Lebensgesetzmäfsigkeit und die
Zwecke des Lebens betreffen, wobei freilich zu beachten ist, dafs
solchen Belehrungen ein leises Fragezeichen als Ausdruck des Ver-
zichtes auf absolut sicheres Wissen angehängt werden mufs. Und