Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
422 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
fassenden Autorität mangelt. Die Regelung, Pflege und Be-
aufsichtigung der öffentlichen Erziehung kann einzig
und allein Sache des Staates sein. Er besitzt unter allen
öffentlichen Institutionen die gröfste Autorität, ist am leistungs-
fähigsten und vorzugsweise vom Geiste der bürgerlichen
Pflichterfüllung getragen, daher auch am besten geeignet, da-
für Sorge tragen zu können, dafs dieser Geist schon frühzeitig in
den Heranwachsenden geweckt und gefördert werde. Da, wo ein
Ersatz oder eine Beihilfe zur staatlichen Leistung erforderlich ist,
erscheint hierzu die Gemeinde unter der Oberaufsicht des Staates
berufen, da sie als Glied der politischen Organisation am ehesten
den nämlichen Zweck wie der Staat zu erreichen vermag. Die
Staatsbeamten, denen die Leitung des öffentlichen Erziehungswesens
obliegt, müssen, um das noch kurz zu erwähnen, durchgehends
Fachmänner sein. Auch ist ein besonderes Erziehungs-
Ministerium, an dessen Spitze ein pädagogischer Fachmann
steht, unbedingtes Erfordernis.
Daraus jedoch, dafs irgendwelcher religiösen Gemeinschaft
jegliche Berechtigung, sich um das Erziehungswesen zu kümmern
und in dasselbe sich einzumischen, abgesprochen wurde, folgt
keineswegs, dafs in der öffentlichen Erziehung das religiöse Moment
gänzlich unberücksichtigt bleiben müsse; dafs namentlich die Schule
gar keinen Anteil an der religiösen Belehrung der Jugend nehmen
dürfe: das soll ganz gewifs geschehen. Der moderne Kulturstaat
mufs dafür sorgen, dafs jeder seiner Bürger im Laufe der Erziehung
mit dem Wissen seiner Zeit vertraut gemacht werde; denn diese
Vertrautheit ist eines der bedeutsamsten Rüstzeuge für den
modernen Kulturarbeiter. Das, was jeder glaubt, mufs nun mit
diesem seinem Wissen sich vereinbaren lassen, mufs in Harmonie
damit sich befinden; wo Glauben und Wissen in Widerspruch
stehen, wird der betreffende Mensch in Konflikte gestürzt, aus
denen er sehr leicht entweder als moralischer Krüppel, nämhch
als Heuchler, oder als intellektueller Krüppel hervorgeht: der eine
wie der andere ist unfähig, seinen Pflichten als Staats- und Welt-
bürger voll gerecht zu werden. Auf jeden Fall bedeuten solche
Konflikte höchst überflüssige Verluste an Zeit und Kraft. Es ist
daher, wie ich bereits betonte, ganz selbstverständlich für den
modernen Kulturmenschen, dafs sein Glaube und sein Wissen mit-
einander harmonieren: sein Glaube kann nur ein Vernunftglaube
sein. Was mit der modernen Welterkenntnis, was mit unserem
heutigen Wissen betreffend Geschichte und Natur in unversöhnlichem